Judith trainiert... lang Laufen

Sonnenuntergang auf dem Schauinsland


Man mag es kaum glauben - unsere tapfere Heldin des Alltags hat es doch tatsächlich geschafft mal ganze drei Tage URLAUB zu buchen. War auch an der Zeit... nach der Langstrecke lag ich erstmal ein paar Tage flach, die verbleibenden Adventswochenenden waren gut gefüllt mit Training in Ratzeburg und Zweierfahren mit Fini und auf der Arbeit ist im Dezember ja sowieso immer die Hölle los.

Wie sieht das also aus, wenn Judith Urlaub macht? Ich wollte zum Langlaufen in den Schwarzwald fahren. Frische Luft, so viel Bewegung, dass auch mein Trainer nicht meckern kann und ein knuddeliges Familienhotel mit leckerem Essen und eigenem Spa... Soweit der Plan. Leider spielt da er heilige Petrus aber nicht mit: es ist zwar schön kalt, Schnee liegt aber überhaupt keiner. So lasse ich schweren Herzens die Ski bei meinen Eltern stehen und beschließe, das Beste aus der Situation zu machen und einfach wandern zu gehen. Das kann man ja schließlich bei jedem Wetter.


Am ersten Abend treffe ich auch gleich meine Freundin Anna aus Hamburg wieder - als gebürtige Schwarzwälderin kennt sie hier jede schöne Ecke und entführt mich erstmal zum Sonnenuntergang gucken auf den Schauinsland. Wahnsinnig schön... wir können bis in die Alpen gucken.

Nachdem ich am nächsten morgen um 7 aus dem Bett gefallen bin, mache ich mich schon um kurz nach acht auf zur Talumrundung und kann beobachten, wie die Sonne sich Stück für Stück über die Bergspitzen schiebt. Von Muggenbrunn geht's zum Wiedener Eck und zur Knöpflesbrunnenalm. Auf dem Rückweg mache ich noch einen kurzen Abstecher zum Aussichtspunkt und kann nochmal ein bisschen Alpen gucken.

Nach 5 Stunden komme ich wieder am Hotel an und stelle fest: Wandern ist doch irgendwie anstrengend... mir tun (im schwäbischsten Sinne des Wortes) ganz schön die Füße weh! Zum Glück habe ich ein weiches Bett nach dem ich nach einer Runde Entspannungsyoga und dem unglaublich leckeren 4-Gänge-Abendessen fallen kann. Morgen ist dann der Feldberg dran...

Die große Testbatterie

Winteranfang ist Testzeit. Den ersten Test, die berühmt-berüchtgte KLD, habe ich mit einem gekonnt geplanten Trainingswochenende mit Fini in Brandenburg gerade so noch umschifft, dafür legen wir in der letzten Novemberwoche einen richtigen Analyse-Marathon hin.

Los geht es am Samstag in Ratzeburg: Hier steht Messboot auf dem Programm.
Anders als alle anderen Tests in den folgenden Tagen findet das aber nicht auf Aufforderung des Verbandes statt, sondern aus Eigeninitiative meines Trainers. Der will nämlich überprüfen, ob ich, seit ich im Sommer ein bisschen Viererfahren war, tatsächlich so geil rudern kann, oder ob er doch einen Knick in der Optik hat ;-)
Spaß beiseite: Wie schon bei meiner letzten Messboot-Session vor drei Jahren erklärt, handelt es sich bei dem Messboot nicht um einen ganz besonderen Kahn, sondern um alle mögliche Sensorik, die Messtechniker Mark in stundenlanger Bastelarbeit liebevoll in mein Boot geklebt hat. Die misst jetzt im Wesentlichen wie viel Kraft ich in Abhängigkeit des Winkels an der Dolle ans Blatt bekomme, und wie die Bootsgeschwindigkeit darauf reagiert. Mark und Markus fahren im Motorboot nebenher und können sich die Kurven live auf dem Laptop angucken. Ich bekomme sie später in der Auswertung präsentiert.
Fazit: Im Vorder- und Mittelzug operiere ich auf dem guten Niveau, das Markus meint, mit dem bloßen Auge erkannt zu haben, am Endzug muss ich aber noch arbeiten.

4 Tage später, gleicher Ort, anderes Testformat: Stufentest.
Nachdem mich mein Kollege Stefan ausführlich zu dem Thema interviewt hat und ich mich deswegen auch selbst ein bisschen aufschlauen musste, kann ich euch jetzt auch berichten, was da gemessen wird:
Und zwar fährt man im Stufentest, wie der Name schon andeutet, mehrere 4-minütige Stufen bei einer vorgegebenen Leistung. In den jeweils 30 Sekunden zwischen den Tests wird am Ohrläppchen ein bisschen Blut abgezapft und die darin enthaltene Laktatkonzentration gemessen. Über eine entsprechende Interpolation kann man dann ermitteln, wo beim jeweiligen Athleten die aerobe und die aerob-anaerobe-Schwelle liegt.
Die aerobe Schwelle bei einer Laktatkonzentration von ca. 2mmol/l bezeichnet den Leistungsbereich, in dem der Körper erstmals zusätzlich zum aeroben Stoffwechsel auch noch einen gewissen anaeroben Anteil "zuschaltet". Ab der aerob-anaeroben Schwelle bei 4mmol/l ist der anaerobe Anteil der Energiebereitstellung so hoch, dass der Körper das Laktat, welches als Nebenprodukt des anaeroben Stoffwechsels anfällt, nicht mehr so schnell abbauen kann, wie es nachgebildet wird. Die Muskulatur fängt in folge dessen an zu übersäuern und kann die Leistung deshalb nicht dauerhaft durchhalten.
Die beiden Schwellen werden einerseits als Messwert für die Fitness des Sportlers genutzt - je höher die Schwellen, desto besser die Ausdauer - andererseits dienen sie auch der Trainingssteuerung. Extensives Ausdauertraining zum Beispiel sollte immer unterhalb der 2mmol-Schwelle stattfinden.
Meiner Fitness scheint es schon mal gut zu gehen - zumindest ist meine 4mmol-Schwelle dort, wo sie auch während der letzten paar Tests lag, und die P2-Schwelle hat sich nochmal etwas nach oben hin verbessert.

3 Tage darauf: gleiches Gerät, anderer Ort, andere Aufgabe: 2000m Ergometertest in Dortmund. Meine absolute Hass-Disziplin. Als Top-Leichtgewicht sollte man unter 7:10min fahren. Mein persönlicher Bestwert liegt bei 7:15,3. Mit meiner Leistung liege ich bei den meisten Verbandstests im oberen Mittelfeld - U23 eingeschlossen.
Ich habe natürlich die ganze vergangene Woche ziemlich viel Ergofahren geübt. Läuft soweit ganz gut, zumindest über kürzere Strecken. Länger als ein paar Minuten bin ich auf den höheren Frequenzen aber nie gefahren. Mir steckt die lange Autofahrt noch in den Knochen, mein linkes Bein fühlt sich beim Warmfahren ein bisschen fest an. Andererseits gibt es wohl nie den Tag, an dem man sich vor dem Test in absolut unübertroffener Topform fühlt. Schon allein deswegen, weil man aufgrund der Nervosität jedes kleine Zwicken in Körper und jede nicht ganz so perfekte Bewegung viel intensiver wahrnimmt und interpretiert als an einem normalen Trainingstag.
In der Rennbesprechung waren wir uns uneinig: Markus meinte, ich soll mal so eine 7:18 anpeilen. Mir schwebte eher eine 7:16 vor. (Klingt wahrscheinlich jetzt erstmal wenig für euch... Um euch einen Anhaltswert zu geben: in den letzten 5 Jahren habe ich mich pro Jahr auf dem Ergo um ca. 2 Sekunden verbessert.) 
Also los: dieses Jahr habe ich leider nicht die Seite des Ergoraums mit Aussicht über den Kanal erwischt, sondern die mit Blick auf die Wand. Ist aber auch egal, nach den ersten paar Schlägen verengt sich die Wahrnehmung sowieso zunehmend. Dann ist da nur noch das Display, der Rhythmus des Schlages und das Brüllen meines Trainers. Ich konzentriere mich darauf, es "laufen zu lassen" und mich nicht aus dem Rhythmus bringen zu lassen. Mein Display zeigt fast durchgängig den selben Wert: 1:49min/ 500m. Ich bin gut unterwegs. Dank Start- und Endspurt steht am Ende eine neue persönliche Bestzeit: 7:14,8. Neben mir fällt Katrin vom Ergo, auch ich brauche eine ganze Weile, bis ich wieder aufstehen und zur Laktatabnahme laufen kann. Da sitzen wir dann zu acht im Stuhlkreis, knapp 10 Minuten lang und sind noch hauptsächlich mit Atmen beschäftigt.

Während ich mich warmgemacht habe, hat Markus meine neuen Skulls mit den Süderelbe-Farben beklebt. Um zu testen, ob es hält und um mich wieder ans Rudern im Boot zu gewöhnen, drehe ich Nachmittags noch eine lockere Runde im Einer.

Am Sonntag heißt es dann: Showdown. 6000m im Einer. 
Anders als viele andere Ruderer freue ich mich immer auf diesen Test. Langstrecke liegt mir mehr als die üblichen 2000m und ich genieße es, dass man aufgrund der Streckenlänge nicht die ganze Zeit auf Anschlag fahren kann, sondern dafür sorgen muss, das Boot mit wenig Aufwand schnell voran zu bringen.
Weil Anja Noske dieses Wochenende krank ist und unsere beiden Olympionikinnen von der Langstrecke freigestellt sind, darf ich als Erste fahren. Katrin folgt mit 45 Sekunden Abstand, dahinter kommt Österreichs Einerfahrerin Leonie Pless. Mein Ziel: schneller sein als Katrin und mindestens genauso schnell wie Leonie. Mein Start ist noch etwas holprig, aber ich finde immer besser ins Rennen und kann relativ mühelos (natürlich ist es anstrengend) meine Frequenz bei 32 Schlägen pro Minute halten. Hinter mir sehe ich, wie Leonie auf Katrin aufläuft, kann aber schlecht abschätzen, ob ich meinen Vorsprung ausgebaut habe oder nicht. Nach knapp 24:44 Minuten "erlöst" mich die Zielhupe. Ich paddle langsam weiter und warte, bis auch Katrin und Leonie durchs Ziel kommen. Der Kommentator bestätigt, was Markus schon vermutet hat: Ich war schneller! Auch die folgenden Boote können meine Zielzeit nicht toppen, so dass ich zum ersten Mal in meinem Leben die Langstrecke gewinne. Freut mich unwahrscheinlich. Noch mehr freut mich, dass wir wohl doch kein Messboot gebraucht hätten: Jeder Trainer, dem ich nach dem Rennen begegne, sagt mir das gleiche: "Sah verdammt gut aus, was du da machst."

Judith trainiert... den Widrigkeiten zum Trotz

Jeder Trainer hat sein Prinzip, sein Mantra, dass er seinen Sportlern weitergibt, und das man als Sportler so oft gehört hat, dass es einem eigentlich schon in Fleisch un Blut übergegangen sein sollte. Man braucht es dann nur noch umzusetzen. Ganz einfach.

Da ich inzwischen schon den zweiten langfristigen Heimtrainer habe, gibt es da natürlich auch zwei Ruderwahrheiten in meinem Kopf. Groß geworden bin ich mit:
Rudern muss Spaß machen.
Meinem ersten Trainer wäre es nie in den Sinn gekommen, mir vor einem Rennen viel Glück (wenn man das braucht, dann kann man es eh lassen) oder viel Erfolg zu wünschen. Ich bekam immer ein "viel Spaß" mit auf den Weg. Deshalb stehe ich noch heute breit grinsend auf dem Regattaplatz und freue mich darauf, dass ich gleich ein Rennen fahren darf.

Der zweite wichtige Satz in meiner Karriere ist:
Die erst Pflicht des Athleten ist, gesund zu bleiben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Sätze unglaublich wichtig sind. Würde es keinen Spaß machen, sollte ich es lassen. Wer krank ist - oder Gefahr läuft, krank zu werden, sollte nicht trainieren. Keine Goldmedaille der Welt ist es wert, seine (körperliche wie geistige) Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Und doch ist es manchmal unglaublich schwierig, diese Grundsätze einzuhalten.

Es gibt einfach diese Wochen, in denen alles drunter und drüber geht. Das Management hat gewechselt, ich habe es mal wieder geschafft, im ersten Kontakt einen positiven Eindruck zu hinterlassen und bin plötzlich mit ganz neuen Erwartungshaltungen konfrontiert. (Fragt mich nicht, wie ich das mal wieder hinbekommen habe. Bisher weiß er nur, was ich studiert habe und welche Themen ich bearbeite. Dass ich rudere, und was ich für meine Zukunft plane weiß er noch gar nicht.) Nichts fällt mir schwerer, als Menschen, die ein positives Bild von mir haben, zu enttäuschen. Und plötzlich sitzt man dann mal eben 9 Stunden im Büro und bereitet ein Projektreview vor, dass man dann doch nicht halten darf. Jetzt, wo wir sowieso nicht mehr draußen trainieren können, ist es ja auch egal, wenn ich eine Stunde später trainieren gehe, oder?
Und dann stehe ich im Kraftraum und möchte eigentlich nur noch ins Bett. Und das nicht nur einmal.

Aber es geht nicht. Ich MUSS trainieren. Am ersten Advent ist Ergotest und Langstrecke und ich werde gut sein müssen. Nicht Judiths-Durchschnitt-gut sondern RICHTIG gut, denn nächstes Jahr werden wir wohl keinen A-Kader mehr haben und drei der vier B-Kader Plätze sind wohl schon an die 2 Olympionikinnen nebst Ersatzfrau vergeben. Wenn Leo oder Katrin oder jemand anderes einen guten Tag erwischt, könnte es das gewesen sein mit der Sportförderung für's nächste Jahr. Also ran an die Eisen.
Soviel zum Thema "Rudern macht Spaß."

Der zweite Satz ist ungleich schwieriger einzuhalten, insbesondere dann, wenn man das Gefühl hat, sowieso schon zu wenig zu trainieren.
Ruf' mal deinen Trainer an und sag: "Ich komm' heute nicht, ich kann die Augen kaum noch offen halten." Das kratzt ganz schön am persönlichen Stolz. Alle anderen schaffen es ja auch. Denkt man sich so. Und dann sitzt man in der Kinopremiere von "DIE NORM - ist dabei sein wirklich alles?" und stellt fest: ein Sportlerleben ist ein ständiger Drahtseilakt zwischen Wollen und Können. Nicht nur bei mir.

Am Freitag wollte ich dann auch mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Habe es auch probiert und dann doch lieber sein lassen. War eher so Eislaufen auf 2 Rädern. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals einen so kalten November hatten. Obwohl ich zugeben muss dass Schnee auf grünen Laubbäumen ziemlich cool aussieht...
Was ist falsch auf diesem Foto? Genau, es ist November.
Die Langstrecke in Mölln (die wir zur Vorbereitung auf den Kadertest nutzen wollten) ist tatsächlich auch witterungsbedingt abgesagt worden. Trotzdem habe ich natürlich versucht, rudern zu gehen. War nicht auszuhalten gestern. (Nebel, -5°, Wind, lange Ruderklamotten + Schwimmweste). Selbst Markus' Katamaran weigerte sich, loszufahren.
Heute (-1°, Thermohose, Thermoshirt, Skisocken, Buff, Mütze, Einteiler, winddichtes Shirt, T-Shirt, Weste) ging es dann halbwegs. Um die ausgefallene Langstrecke zumindest etwas zu simulieren, bin ich gemeinsam mit den anderen Hamburger Sportlern 4km auf der Regattastrecke gefahren. War am Anfang ziemlich kabbelig, aber am Ende sorgte die Tatsache, dass ich den vor mir gestarteten 2er-ohne noch überholen konnte, für einen gewissen Motivationsschub... und da war er wieder, der Spaß an der Sache.

Sturmflut rückwärts

Die Katastrophen von heute sind die guten Geschichten von morgen.

Die letzten beiden Tage sind sehr anstrengend gewesen. Am Donnerstag morgen um vier habe ich mich auf den Weg nach Augsburg zu einer internen Konferenz gemacht. Ich habe viele interessante Vorträge gehört, diskutiert und Vesrsuchs-Fertigungslinien bestaunt. Ich habe meinen riesigen Miet-Astra mit viel Fluchen und in noch mehr Zeit irgendwie in dieses winzige Hotel-Parkhaus gezirkelt. Geschlafen habe ich wenig und um Sport zu machen fehlte die Zeit.

Vorsichtig taste ich mich Schritt für Schritt die Rampe zum Steg runter. Es ist feucht und die Rampe ist entsprechend glatt. Außerdem geht es verdammt steil runter. Nur nicht das Boot fallen lassen. Ich kann nur ganz vom Ende des Steges ablegen, da ist das Wasser immerhin noch knappe 30cm tief. Ich denke mir nicht viel dabei - wird bestimmt bald wieder auflaufen.
Ich bin müde. Nicht so "heute fühle ich mich ein bisschen schlapp" - müde sondern "lass mich bitte SOFORT wieder in mein Bett die Welt da draußen vertrage ich in meinem Zustand nicht" - müde.

Passenderweise stehen heute 3x 750m Vollgas auf dem Trainingsplan. Es kommt selten vor, dass ich keine Lust habe zu rudern, aber heute ist so ein Tag. Bei jedem Wort von Markus wünsche ich mir einfach nur, dass er die Klappe hält. Ich fahre eine der Strecken. Läuft verdammt scheiße. War auch zu erwaten. Wir beschließen, heute mal nur Grundlagenausdauer zu machen und restlichen Strecken vielleicht doch lieber morgen zu fahren, wenn ich ein bisschen ausschlafen konnte.

Der Rest der Einheit läuft den Umständen entsprechend ganz okay, aber die letzten paar Meter zur Schleuse hin kämpfe ich doch sehr mit dem Ostwind. Kurz vor der Schleuse sehe ich, wie Markus hinter mir das Handy zückt. Nanu, denke ich mir, der ist heute aber ungeduldig. Normalerweise warten wir dann doch ein bisschen, ob uns die Schleusenbediener nicht doch noch auf dem Radar erkennen. Ich drehe mich um und stelle fest, dass die beiden roten Lichter auf der Schleusenampel übereinander sind. (Das bedeutet Schleuse gesperrt.)
Offenbar ist der Wasserstand so niedrig, dass nicht mehr geschleust wird. Leider macht der Schleuser (Markus ist fest davon überzeugt, dass wir heute den Kollegen Erbsenzähler erwischt haben) auch keine Ausnahme für Boote mit weniger Tiefgang. Markus wirft einen Blick in den Tidekalender und stellt fest, dass das Wasser noch etwa eine halbe Stunde lang abläuft.

Zur Illustration... (Quellen: ibabahn.de, bsh.de)
Die Variante "Umtragen" verwefe ich recht schnell wieder. Erstens habe ich wenig Lust, barfuß über die Büschung zu kraxeln, zweitens Angst um mein Boot und drittens kann ich davon ausgehen, dass der Steg sowieso die nächste Dreiviertelstunde noch auf dem Trockenen liegt. Also ab über die Elbe. Sind ja nur 11km Umweg... Immerhin ist die Tide am kippen, als ich aus dem Rethehafen auf die Elbe rausfahre. Ich fahre also mit der Strömung, leider aber auch gegen den Wind.
Dafür habe ich die einmalige Gelegenheit, an der Kattwyckbrücke unter dem Kran durchfahren zu können. Schiff von unten ist irgendwie lustig...

Nach knapp 3 Stunden und 29 Ruderkilometern ist meine Wanderfahrt dann zum Glück zu Ende. Einen Vorteil hat die Aktion aber auf jeden Fall gehabt: Nachmittags habe ich nicht nochmal trainieren müssen und konnte schön zwei Stunden Siesta machen. Vielleicht klappt es morgen dann auch mit den Strecken.

Abtauchen - Auftauchen - Abheben

Die Wochen nach der WM sind traditionell die Zeit um die Beine hochzulegen, in den Urlaub zu fahren, Klausuren nachzuholen... kurzum: um alles das zu tun, was man während der Trainings- und Wettkampfphase nicht tun kann.
Nun fällt Urlaub bei mir leider normalerweise flach (der Tarifurlaub geht ja schon komplett für die Trainingslager drauf), Beine hochlegen ist eh nicht so mein Ding und Klausuren hat man ja als Arbeitnehmerin auch nicht (nach)zuschreiben. Was zum Teufel hab ich also in den letzten vier Wochen, außer Lebkuchenherzerl malen, getan? 

Abtauchen

Wer sagt denn, dass Dienstreisen keinen Spaß machen?

Blick aus dem Bunker.
Der Sommer hat extra darauf gewartet, dass ich wieder zu Hause bin. Leider hat er da nicht an die Freibäder gedacht, die leider alle schon Anfang September ihre Pforten schlossen, so dass ich mich genötigt fühlte, doch ganz einfach den Baggersee zu nehmen. 
Die weit bessere Alternative bot sich dann allerdings mitte der Woche: meine Kollegen und ich waren auf "Klassenfahrt" in Saint Nazaire, wo uns unsere französischen Kollegen die Monatge der mittleren Rumpfsektion der Langstreckenflugzeuge erklärt haben. Wir haben viel gesehen, viel gestaunt und eine Menge Anregungen für unsere A320-Rumpfmontage mitnehmen können. Und trotz des vielen Inputs blieb doch noch die Zeit, im Atlantik zu plantschen, Hitlers U-Boot-Bunker zu besichtigen und im Casino ein paar Euro bei Roulette zu er- und wieder zu verspielen.

Auftauchen


Rushhour beim Sommerfest.
Unter dieses Stichwort passt nicht nur der Ausflug nach München, sondern auch das - aufgrund des tollen Wetters spitzenmäßig besuchte - RCS Sommerfest, wo ich den halben Tag damit beschäftigt war, mehrere Quadrameter Kuchen zu verkaufen.

Außerdem konnte ich mich auch mal auf der Balkoneinweihungsparty meiner besten Freundin blicken lassen (sonst bin ich ja eher nicht dafür bekannt, zu irgendwelchen Partys zu gehen. Meistens bin ich dann doch unterwegs oder muss früh raus am nächsten Tag).
Oh ja, Rudern macht immer noch Spaß.
Orange is the new red:
Während ich bei der WM war, hat mein Boot eine Rundumerneuerung genossen.
Nordddeutsche Meisterin im Fraueneiner - klappt auch untrainiert...
Und schließlich hat die wunderschöne (nahezu) trainingsfreie Zeit ihren krönenden Abschluss in den Norddeutschen Meisterschaften gefunden. Gestern mit Irene im Zweier fehlte leider etwas die Power, aber heute konnte ich mit meinem frisch renovierten Boot die Goldmedaille im Fraueneiner abstauben.


Abheben

Anna, ASK21 und ich.

Mein persönliches Highlight der letzten Wochen war nichtsdestotrotz der Tag auf dem Segelflugplatz Boberg. Meine Freundin Anna, die gerade ihre Fluglehrerausbildung macht, hatte mich eingeladen.
Es war toll! Und ganz anders, als man sich Segelfliegen so vorstellt. Hat mehr was von Achterbahnfahren als von schwerelosem dahingleiten. Macht aber trotzdem (oder vielleicht auch deswegen) irrsinnig Spaß.

Madrid wants to keep on rowing!

Bad news from the place where the story of this blog began a little over three years ago:

The government of Madrid decided in May to start a renaturalization project for the river Manzanares. You may argue that on the first sight, this sounds like a good idea. Having seen (and sometimes smelled) that river, dammed up and squeezed between high concrete walls, it's not a wrong thought at all to consider to convert it into a place to live for fish (and if you believe the plans of the activists even otters) again. The bad news are, however, that the naturalization plan seems to consist mainly in opening all locks, which leads to a massive reduction of the water level. El Mundo reports that islands have formed already in the river bed.

The rowing community in Madrid looks back onto a long tradition of rowing on ponds of less than 300 metres in length, but a small creek with green islands does not even serve these masters of improvisation for their daily training.

The rowing school opened only 4 years ago in the frame of the Parque Madrid Rìo project and has it's boat hangar and pontoon ceded for use by the city of Madrid. Although with a length of about a kilometre and a width just big enough to turn around a quad, the section of the Manzanares in Legazpi is still far from being the ideal place to row, it has enabled the competitive rowers of Madrid to prepare successful participations to the national championships. Moreover, a lot of children and adults have learned rowing in the rowing school and have discovered it as their favorite leisure activity.

To me, it sounds like a bad joke that the government of the same city that built a place to row a few years ago, is now simply forgetting about it. (Especially when you are, alike me,  living in a country where each public construction project of that size will last for decades because the alleged public good needs to be carefully weighted against the interests of single persons and organizations.)

Does anybody really believe that there can't be a compromise between the interests of the rowers and nature? After all, rowing is not harmful to nature but beneficial for our health and personal development.

Please help my friends to make themselves heard by signing their petition to the mayor of Madrid.

Hacker-Pschorr Wiesnchampion

"Mensch, Judith, du bist ja echt der spontanste Mensch der Welt!"
Max kann seine Begeisterung kaum zähmen, als ich ihn am Montag abend anrufe, um nochmal eben alle Details für den Dienstag zu besprechen. Da muss ich ihn korrigieren: ich hatte immerhin das ganze Wochenende Zeit, mich mental auf eine eintägige Münchenreise vorzubereiten. Die echte Spontaneität hat aber einmal mehr mein Chef gezeigt, der mich ganz verwundert angeschaut hat als ich ihn am Montagmorgen darum gebeten habe, den Dienstag für ein Sponsoringevent frei zu bekommen. "Wieso fragst du denn überhaupt? HAU AB!"

Wiesnchampion also. Obwohl ich eigentlich kein Bier trinke und mir dieses ganze Gedöhns das ums Oktoberfest gemacht wird irgendwie suspekt ist, möchte ich mir doch die Chance nicht nehmen lassen, die Jungs von Monaco Funding, die mich so toll bei der Bootsfinanzierung unterstützt haben, mal persönlich kennenzulernen.
Die erste nette Begegnung mache ich gleich am Münchner Flughafen: Als ich vor dem Fahrkartenautomaten stehe, fragt mich ein Mann, in gebrochenem  deutsch, ob ich in Richtung Hauptbahnhof fahre. Dann könnte ich auf seiner Gruppentageskarte mitfahren. Als er ein paar Stationen vor dem Hauptbahnhof aus der Bahn steigt, schenkt er mir sogar die Fahrkarte, so dass ich den ganzen Tag noch lustig durch München gurken kann, wenn mir denn danach ist oder ich die Zeit finde. Am Bahnhof werde ich dann von Max erwartet, der mich zum Büro von Monaco Sports bringt und mir dort seine Kollegen vorstellt und mir stolz die Dachterasse mit Blick über die Münchenener Innestadt präsentiert.
Die Jungs von Monaco Sports sind echt nett und haben eganz viele Fragen an mich - ihr Job ist es, Sportstipendien in den USA zu vermitteln, und sie fragen sich, warum das bei den Ruderern irgendwie nicht so richtig ankommt. Ehe wir uns versehen, habe ich ihnen das komplette Qualifikatioonssystem des Deutschen Ruderverbands erklärt und wir sind echt schon spät dran um zum Marienplatz zu kommen. Statt zu laufen nehmen wir dann doch leiber die Bahn um pünktlich anzukommen.

Am Marienplatz treffen wir dann meinen Teamkollengen für den heutigen Wiesn-Triathlon, den Monoski-Doppelweltmeister Georg Kreiter. Gegen uns werden die Fußballer von TSV 1860 München, die Eishockeyspieler vom EHC Red Bull München und die Volleyballer vom TSV Herrsching antreten.
Leider müssen wir dann aber erstmal feststellen, dass Max leider falsch informiert war: unser Wettkampf findet im Brauhaus von Hacker-Pschorr statt und das liegt an der Theresienwiese. So langsam wird es knapp mit der Zeit...
Die Monaco-Jungs rufen sich ein Taxi, ich sprinte mit Georg zu dessen Auto (auf seinen 2 Rädern ist er was Geschwindigkeit angeht echt ein bisschen im Vorteil).
Es ist wahnsinnig viel Verkehr in Münchens Innenstadt, so dass wir für die knapp 4 Kilometer fast eine halbe Stunde unterwegs sind. Zeit genug, sich näher kennen zu lernen und sich darüber auszutauschen, wie man das mit Sport und Job unter einen Hut bekommt. Auf jeden Fall ist Georg ein sehr sehr netter und sympathischer Zeitgenosse. Wahrscheinlich wäre uns auch bei 400 Kilometern in dem Tempo nicht langweilig geworden.

Als wir dann endlich ankommen, ist der erste Wettkampf schon im Gange: beim Anzapfen geht es darum, den Hahn mit möglichst wenigen Schlägen ins Bierfass zu bekommen. Die Dritte in unserem Team, die Para-Dressurreiterin Julia Porzelt, hat sich leider den Arm gebrochen und kann deshalb heute doch nicht dabei sein. Deshalb hat uns Hacker-Pschorr heute als "Joker" den Braumeister zur Verfügung gestellt, der souverän mit zwei Schlägen anzapft und uns damit erstmal in Führung legt. (Mit einem Schlag anzuzapfen, so erklärt er uns später, sei unprofessionell - zu groß wäre hierbei die Gefahr, dass der Hahn wieder rausfällt und man eine ausgiebige Bierdusche nimmt.)

Auch die nächste Disziplin ist was für echte Männer: Maßkrug stemmen am ausgestreckten Arm. Georg hält den Krug etwas über zwei Minuten (und das mit Links!) und damit schon deutlich länger als der Volleyballer. Gegen den Eishockey-Verteidiger, der nach vier Minuten immer noch dasteht ohne auch nur im geringsten die Miene zu verziehen, kann aber niemand was ausrichten.

Für meine Disziplin sollte ich nach all den Dankeschönkeksen für meine Unterstützer eigentlich perfekt vorbereitet sein. Die Aufgabe lautet: "Verziere das Herzerl in zwei Minuten mit einer Liebeserklärung an deinen Verein." Also los - Riesen-Spritztüte trifft Riesen-Lebkuchenherz (die Größe, die auf dem Wasn für schlappe 39 Euro verkauft wird). Die 2 Minuten reichen gerade für eine technisch saubere Ausführung des Monaco-Funding Logos.
Das Herz der Jury gewinnt jedoch der Eishockeytorwart mit seiner simplen, aber überzeugenden Botschaft: I love Hacker-Pschorr!

Damit tragen die Eishockeyprofis einen ungefährdeten Sieg nach Hause und wir können uns offiziell mit dem Titel Vize-Wiesnchampion schmücken. Und natürlich muss auch das gesamte Team nach der Brotzeit (schon allein dafür mal wieder g'scheite Brezeln zu bekommen hat sich die Reise nach München gelohnt!) nochmal ausprobieren, wie lange wir so einen Maßkrug halten können. Fazit: Georg war wohl schon die richtige Wahl.

Und so stehe ich abends am Münchner Flughafen und überlege mir, ob so ein 60-cm Lebkuchenherzerl wohl als Sperrgepäck eingecheckt werden muss. (Muss es nicht, aber in die Kiste vom Handgepäckscanner passt es auch nicht rein.) Glücklicherweise ist im Flieger der Sitz neben mir leer...

WM-Finale in Zahlen

The world rowing championship final in numbers.

Falls ihr es verpasst habt: ihr könnt euch das Video hier anschauen (unser Rennen startet etwa bei 46:45min) - If you missed it, you can watch the race on youtube (it starts approx. at 46:45min).
All photos by Oliver Quickert.

1050 km gemeinsames Training /Training kilometres

22 Windgeschwindigkeit des Gegenwinds in km/h / Speed of the headwind in km/h

3 Meter Vorsprung vor GB and der 1000m-Marke / meters ahead of GB after half the race

1300 meter in Führung / Meters in lead

1.85 Sekunden Rückstand auf Großbritannien im Ziel / seconds behind GB on the finish line

52,9 Gewicht unseres Bootes in kg nach dem Rennen / Boat weight in kg after the race

4000 geschätzte Anzahl Kalorien, die ich nach dem Rennen verdrückt habe/ estimated number of calories I ate after the race


It was phantastic. Thanks to the GB and CHN teams for the togh racing. Great fight! 
Thanks to you for your interest and support!


World rowing championships - first days and exhibition race

Finally, we've made it to Rotterdam. Fist impression: it's so HUGE! There are boats as far as the eye can see, alphabetically ordered by nation.
1900 Athletes, as we learnt at the opening ceremony in the city center of Rotterdam, are going to compete on this first ever combination of senior, U23 and junior world championships. As a consequence, this is going to be the biggest world rowing event ever held with about 1900 participants (as a comparison: 1300 athletes on last years' senior world rowing championships, which was a record participation).

However, if you look around the venue, it becomes clear that if any venue is able to host such a mega-event, it's certainly the brand new Willem-Alexanderbaan in Rotterdam. Besides being in the middle of nowhere and thus featuring a lot of space around for boat storage, car park etc, it is also offering a lot of room on the water:  The venue features 10 lanes as well as a seperate 3-lane canal for warm-up and cool-down. So during training, once you've made it to the water, you can actually row quite well. If you can cope with all the wind.

Making it to the venue, however, has proven to be a little difficult during the first days. Somehow, we managed several times to book shuttles that did not exisit  in the official schedule. Consequently, we waited half an hour for the actually scheduled bus. But as known from Amsterdam, the shuttles are always punctual, fast and have friendly drivers :-)

So... exhibition race today...
As mentioned above, the wind is a big factor here. To say it in the words of the regatta course homepage:
The rowing course as a whole is open under the sky, surrounded only by small reed beds. The wind can admittedly take its course, but affects all lanes equally. It makes the Willem-Alexander Baan rowing course to a fair race track.
Copyright: Seyb/ meinruderbild.de
Well, the winds affectig us today had a strength of about 4-6bft, but fortunately it was more or less tailwind. This means we had to cope with an uncomfotable wave. (Although admittedly everbody else had to as well.) We started regularly, the Brits being half a length ahead of us, but China, USA and Canada dropping back right from the beginning. After half the course, we had not only crashed our fingers several times into the riggers (Empacher, please, may we have a real quad instead of that overloaded pair next time?), but also closed the gap to the british team. Unfortunately, we came to a sudden stop due to a crab shortly afterwards, did not find back into our rhythm completely and passed the finish line on 2nd position. Well, room for improvment I'd say, but all in all not too bad. Tomoroow, our boat will take a day of - we're planning to cycle to the beach and to start to prepare for our final on saturday starting from wednesday. Stay tuned!

Von Ratzeburg nach Rotterdam


English text below

Am Sonntag haben wir unsere Boote vom Elbe-Lübeck-Kanal an den Ratzeburger Küchensee verfrachtet, wo am Montag dann das Relationsrennen stattfand.
Nach vier Wochen intensiven Trainings, bei dem das Ziel bekannt, wenn auch nicht besonders präsent war, komme ich nun doch so langsam in WM-Stimmung. Nachdem die Schlussphase unserer unmittelbaren Wettkampfvorbereitung schon immer in Ratzeburg stattgefunden hat, legt das unvergleichlich einzigartige Ratzeburg-Gefühl in meinem Unterbewusstsein den Schalter von "Trainingslager" auf "WM" um.

Lena hingegen war noch nie zuvor in Ratzeburg. Deshalb sind wir mit ihr zwecks cool-down nach dem Relationsrennen auch erstmal die große Stadtumrundung vom Küchensee über den kleinen Küchensee in den Domsee und zur Akademie auf den Ratzeburger See gefahren.

Weil wir ziemlich früh gestartet waren, war bis zum Mittagessen noch ziemlich viel Zeit, so dass wir uns dazu entschlossen haben, noch einen Kaffee trinken zu gehen. Der Keks, den Lena dazu bekam, hatte dann auch gleich den passenden Spruch zu unserer Performance während des Rennens parat: "Man kann erst Steuern, wenn man Fahrt hat." Fairerweise muss man allerdings anerkennen, dass wir  trotz eines leichten Slalomkurses brav in unserer Bahn geblieben sind und auch keine Bojen erwischt haben. Und nachdem wir alle das Gefühl hatten, dass wir im Endspurt noch schneller hätten rudern können, war der erste Platz im Prozenteranking dann auch noch gerade so hinnehmbar ;-)

Nachdem wir sowohl in Hannover als auch in Mölln geradezu unter Laborbedingungen trainieren konnten, ist der klare Auftrag für die letzten paar Tage "die schlechten Bedingungen zu suchen" wie unser Trainer das so schön formuliert hat. Heute nachmittag haben wir auch ganz viele Wellen auf dem Ratzeburger See gefunden. Die wiederum fanden aber leider auch recht schnell den Weg in unser Boot, so dass wir uns zwischendurch fragten, ob wir eigentlich für die Meisterschaften im Coastal Rowing trainieren und die Hilfe des Leichtgewichts-Männerzweiers brauchten, um das Boot anschließend überhaupt aus dem Wasser zu bekommen. Immerhin blieb es trotz dreier undichter Luftkästen schwimm- und ruderfähig.
So viel zum Ratzeburg-Gefühl.

Mittlerweile sind auch die Meldelisten für die WM veröffentlicht worden. Leider treten im leichten Frauendoppelvierer außer uns nur Kanada, China, die USA und Großbritannien an, so dass wir anstelle eines Vorlaufes nur ein Bahnverteilungsrennen haben werden. Einen aktualisierten Zeitplan gibt es im Moment noch nicht, so dass wir nicht wissen, ob das Bahnverteilungsrennen am Montag oder am Dienstag stattfinden wird. An der Finalzeit - Samstag, 27. August, 13:10 - dürfte sich allerdings nichts ändern.
Ich halte euch auf dem Laufenden.

Die Fotos stammen von einer unserer letzten Trainingseinheiten auf dem Elbe-Lübeck-Kanal. Mit freundlicher Genehmigung von meinruderbild.de.



From Ratzeburg to Rotterdam

On Sunday, we brought over our boats from Mölln to Ratzeburg for the "relation race."
After four weeks of intensive training whose goal I knew though actually not realized entirely, it starts to feel real now. Ratzeburg has always been the final stage before the world championships. Probably I just need the authentic Ratzeburg feeling to get into the right mood.

Lena however has never been to Ratzeburg before, so the first thing we did was to show her around all the lakes after the relation race - from the Küchensee to the kleiner Küchensee over to the Domsee and finally to the Ratzeburger See where the rowing academy is based.

As we had started quite early there was still some time left to kill so we decided to go for a coffee before lunch. Along with the coffee, we got some fortune cookies, one of them featuring the right proverb to describe the race we had just finished: You can only steer once you've picked up speed. To be fair about it, at least we had stayed inside our lane and without hitting any buoy. And given the fact that all of us had the feeling that we could have rowed a little faster on the las quarter, the 1st place in the ranking was fairly okay ;-)

After the "laboratory conditions" encountered on the canals both in Hannover and Mölln, our goal for the last few days here is seeking waves. Well, we just found some on the Ratzeburger See. Our coach gave us the recommendation to row along the west bank. We soon had problems with shoes swimming over the rails... so far, I was not aware we're practising for the coastal rowing championships.
At least our boat was able to prove it does really fulfill the flotation guideline - it was still rowable although filled up to the top, but getting it out of the water was pretty tricky, even with the help of the lightweight men's pair.
So, that's it about the Ratzeburg feeling.

For Rotterdam, the entries were published some days ago - unfortunately, we have only five boats in our race (Canada, China, Great Britain, USA and us), so there won't be any heats. Instead, we will only have a so-called "exhibition race", i.e. a race which only serves to assign the lanes for the final.

So far, there is no updated schedule, so we don't know if the exhibition race will take place on monday or tuesday. The final however should remain as scheduled on Saturday, 27th Aug, 13:10. I'll keep you posted.

All fotos were taken at one of our last trainings in Mölln. By courtesy of meinruderbild.de.

UWV 2 oder: Ferien auf dem Bauernhof

Hier wohnen wir. Schön, oder?
This is where we live. Isn't it really nice?

English text below

Ruderer scheinen immer mit ihrem halben Hausstand zu verreisen. Und das passiert so:
Donnerstag abend, 22 Uhr. Ich bin hundemüde. Morgen geht's nochmal arbeiten bevor wir losfahren. Das Packen zu vertagen fällt also aus.
Also los... die hälfte meiner Sportklamotten hängt noch auf zwei Wäscheständern verteilt, der Rest ist mehr oder weniger unsortiert in der untersten Schublade der Kommode. Ich fange an, von jeder Wäscheständerstange das abzuräumen, von dem ich denke, dass ich es dabeihaben sollte.
Dann laufe ich ins Schlafzimmer und packe zusätzlich noch alle Socken und Unterhosen ein. Sind ja schließlich 3 Wochen unterwegs und Socken kann man sowieso nie genug dabei haben.
Ich packe alle Nationalmannschaftsklamotten ein und dazu noch meine beiden Lieblingseinteiler.
Ach, Mensch, was zieh' ich eigentlich an wenn ich nicht im Boot sitze? Der Inhalt der Tasche wird um 2 Jeans, 2 Pullis und 6 T-Shirts erweitert.
Dann fällt mir die Jogamatte in Auge. Die sollte natürlich am besten untern rein. Also wieder raus mit dem Zeug. Als nächstes sind die Schuhe dran. Hanteln werden wir wohl nicht mehr, also brauch ich schon mal keine Kraftraumschuhe mehr. Aber normale Schuhe, Flipflops und Laufschuhe sollten mindestens dabei sein.
Ein Blick auf meine Packliste erinnert mich daran, dass ich auch noch einen Kulturbeutel brauche. Wie praktisch, dass ich gerade einen zum Geburtstag bekommen habe. Und dann auch noch riesengroß. Ich mache mich auf den Weg ins Badezimmer und versuche, dabei die Augen offen zu behalten. Nachdem alles, was auf dem Badewannenrand stand, eingepackt ist, ist der Riesenwaschbeutel voll. Ob ich wirklich Handcreme brauche? Oder ist nicht doch die Zahnpasta wichtiger? Am Ende landet die Sonnencreme dann einzeln im Koffer.
Der nächste Punkt auf der Packliste: Waage. Obwohl ich weiß, dass mit einem Doppelvierer und zwei Einern mindestens 6 Waagen im Badezimmer stehen werden, wird sie selbstverständlich eingepackt. Grundsätzlich traut jedes Leichtgewicht nur seiner eigenen Waage. Gleiches scheint - auch bei den Schwergewichten - für Blackrolls zu gelten. (Und die sind ja zum Glück auch überhaupt nicht groß...) Der Koffer ist voll, gerade als ich überlege ob die Espressomaschine nun mitkommt oder nicht.
Am Abreisetag fällt mir dann zum Glück 2 Minuten vor Abfahrt noch ein, dass ich ja auch noch Buntstifte mitnehmen wollte. Ich bekomme sie gerade so noch in Handgepäckstück No.2 gequetscht.
Wir Mädels sind in einer Ferienwohnung auf einem Bauernhof untergebracht. Es gibt sieben Pferde und etwa sieben Milliarden Fliegen. Weil das Bauernhaus komplett ausgebucht ist, müssen wir nach 3 Tagen nochmal umziehen. Auspacken lohnt sich im Prinzip also nicht. Deshalb fahre ich auch die ersten drei Tage ohne Sonnenbrille, die sich dann beim Neusortieren des Koffers doch noch irgendwann findet.
Anreisetag: Leo und Lena stehen noch im Stau, deshalb fahren Katrin und ich Zweier.
Arrival day: Leo and lean are still underway, so Katrin and me test the water in the double.


Unsere Trainingszeiten orientieren sich streng an den olympischen Wettkämpfen, was mitunter dazu führt, dass die zweite Einheit erst nach dem Abendessen gefahren wird. Auch wenn wir nicht dabei sein können, ist diese Olympiade doch etwas sehr besonderes für uns: wir kennen so gut wie alle Ruderer im deutschen Team. Das ist schon nochmal was anderes als vor vier Jahren.

Ansonsten gibt's erstmal wenig zu berichten. Im Großen und Ganzen ist es halt mal wieder rudern, essen, schlafen. Wetter könnte besser sein, aber immerhin ist der Elbe-Lübeck-Kanal noch befahrbar, während die U23-Mannschaft aufgrund von Wasserverhältnissen wie bei den Olympia-Vorläufen in Ratzeburg doch öfters auf dem Ergometer sitzt.


WRCH-Preparation, Part 2, or: Holidays on the farm


Rowers tend to take along half their house to each training camp. Let me tell you why:

Thursday, 10pm. We're leaving tomorrow and I have to work in the morning. I cannot postpone packing any further.
So here we go.... half of my rowing clothes is still hanging on the line. The other half is forming a great mess in the lowest shelf of the cupboard.
I just start by picking everything that might be useful from the line, and to complement it with all socks, pants and national team clothes I can find in the bedroom.
I become aware that I won't sit in the boat all day long and add some jeans and T-Shirts.

I realize that I should have packed the Yoga mat into the bottom of my bag, along with the absolute minimum of 3 pairs of shoes (flip-flops, normal shoes, running shoes).

My parents have given me a very big toilet bag for my birthday. I notice that not everything in my bathroom fits into it. Shall I rather leave the hand cream or the toothpaste at home? Neither of them seems to be a good solution. Consequently, the sun cream enters my bag unwrapped.

The next point on my packing list: Scale. You can be sure that 6 lightweight women will bring 6 scales. You cannot trust anyone elses scale, believe me. (Same seems to be the case for blackrolls. What a luck they're not big...)

I realize that my bag is already more than full when I'm considering to take along the Espresso machine and decide to go to bed.

The farm house where we'll be living for the next two weeks is completely booked. This means Anja, Leo and me have to change to a new room after 3 days. So it's somewhat not worth unpacking... Now you know why you've seen me 3 days rowing without sunglasses.

Besides, it's a usual training camp: rowing, eating, sleeping. The weather could be better, but at least the Elbe-Lübeck-Canal is still rowable while the U23 team experiences water conditions like Rio for the heats... oh yes, the Olympic games! It's quite a new situation for us that we know almost everybody from the German team personally. Our training schedule is thus adjusted to the life coverage times althoug this might mean the 2nd training takes place after dinner.

Wenn wir nicht rudern, dann gucken wir rudern.
As long as we don't sit in the boat, we watch rowing.

Judith trainiert... in Hannover

English text below.

Wir haben losgelegt mit der unmittelbaren WM-Vorbereitung - in Hannover. Klingt jetzt nicht besonders spannend, dachte ich am Anfang. Ist aber überraschend schön und mit Sicherheit auch ein sehr besonderes WM-Trainingslager. Wir wohnen direkt am Anlegesteg, von dem aus wir unsere täglichen Rudertouren auf den Stichkanal zwischen Leine und Mittellandkanal starten. Der ist zwar etwas eng, dafür gibt's aber kaum Schiffe und es geht fast immer geradeaus.

Wir, das sind neben Leo, Lena, Katrin und mir auch noch der Leichtgewichts-Männderdoppelvierer mitsamt Ersatzmann und der Zweier mit Steuermann. Komplettiert wird der schräge Haufen von zwei noch schrägeren Trainern, der österreichischen Leichtgewichts-Einerfahrerin Leonie Pless und dem Kolumbianischen U19-Männereiner Chris (beide haben auch einen deutschen Pass und leben hier.)

Einkaufsliste für 15 Athleten//
Shoppling List for 15 Athletes
Unsere Trainer wuppen also dem täglichen Training auch noch eine ganze Menge Logistik. Mittags kommt der Caterer, aber morgens und abends müssen wir uns selbst verpflegen. Natürlich sind bei 15 Athleten eine Vegetarierin, ein Laktose-intoleranter, jede Menge fake-Nutella-Hasser und andere besondere Esser dabei. Deshalb gibt's erstmal eine lange Einkaufsliste.

Zum Grundnahrungsmittel sind allerdings in den letzten Tagen definitiv die Wassereis-Lollies geworden, denn die Sonne ist auch sehr fleißig am scheinen.

Der Versuch eines Selfies mit 5 Leuten/
Trying to make a selfie with 5 people.
Deshalb zieht es uns dann auch an jedem freien Nachmittag an den Maschsee, wo wir versuchen, den Farbton unserer Bäuche dem unserer Schultern anzupassen und Selfies mit 5 Leuten zu machen. Klappt beides so Medium. Zum Glück gibt es ja auch noch den Selbstauslöser.

Mit Selbstauslöser klappt's schon besser. / Better photos thanks to the good old self-timer function.
Klingt wie ein ziemlich schräges Ferienlager, und irgendwie ist es das auch. Aber es ist auch verdammt cool. Und außerdem steht ja auch noch jede Menge Training auf dem Programm.

Neben dem Kanal steht uns am Olympiastützpunkt auch noch ein großer Hantelraum zur Verfügung. Ehrernsache, dass man da nicht mit dem Auto hinfährt... allerdings ist dann die Kobination 45min joggen - 45 hanteln - zurückjoggen bei 30° doch ziemlich ordentlich und bringt einige Blasen an den Füßen.

Nachdem alle meine Kopfstand-Fähigkeiten bewundert haben, habe ich versucht, dem Rest des Teams ein wenig Yoga beizubringen. Dem einen oder anderen verkommt die Krähe dann auch doch eher zum sterbenden Schwan.

Im Vierer quält uns ein ganz typisches Problem. Das Boot hängt auf eine Seite. Allerdings können wir uns nicht darauf einigen, auf welche... und je mehr wir versuchen, dass Problem in den Griff zu bekommen, desto mehr verkrampft jede und desto schlimmer wird's. Sehr ätzend. Zum Glück können wir gelegentlich auch mal auf den Zweier ausweichen und zumindest bei höheren Frequenzen egalisiert sich das auch wieder.

World Championship training camp, part 1

We've started our preparation training for the world rowing championships - in Hannover. Doesn't sound that exciting, does it? I have to admit I totally underestimated this city. It's surprisingly beautiful, and they have a canal offering ideal conditions for training.

Beside the four of us, the lightweight men's quad, including spare, the coxed pair, the austrian lightweight single sculler and the columbian junior men's single sculler (both have two nationalities) are staying here.

We are preparing breakfast an dinner on our own - this means a lot of logistic for our two coaches. With 15 athletes, you'll have one vegetarian, one with lactose intolerance, several who do not eat fake-Nutella (only the brandend stuff) and so on... this gives a long, long shopping list.

Our absolute basic food have however become ice pops, as temeratures are rising.

No doubt you'll find us at the Maschsee on our free afternoons, trying to bring our bellies into the same shade of brown as our shoulders are and to make selfies with five people. (Both doesn't work, At least we re-discovered the self-timing function of the camera.)

Sounds like a pretty crazy summer camp, but in a way it's quite cool. And of course, we still train a lot.

We have a big gym at our disposal, but unfortunately it's some kilometers away. Initially, it sounded like a smart idea to get there and back running (at 30° and with new shoes), but in retrospective I have to admit that's been the hardest morning I've had here so far.

After averybody had admired my headstands, I volunteered to teach the guys some Yoga - and this is how the "crow" became the "dying swan" :-P

Though being fast and finding a good rhythm at high frequencies, we still have the most typical problem in the quad at training speed. Everyone agrees the boat is hanging to one side. What we cannot agree is to which side...  But I'm pretty confident we'll solve that issue until Rotterdam.

Schlammschlacht in Hamburg.

Erstaunlicherweise regnet es zu Wochenbeginn noch nicht. Nachdem ich nach einer gepflegten eineinhalb-Tage-Woche auf der Arbeit (Montag und Dienstagmorgen gingen für die letzten Fahrstunden und die Führerscheinprüfung drauf) am Mittwoch Nachmittag auf die Fähre steige, lacht noch die Sonne. Ein kräftiger Rückenwind schiebt mich auf meinem Fahrrad in Rekordzeit von den Landungsbrücken raus nach Allermöhe, wo Lena (die mysteriöse No.4 aus meinem letzten Post), Leo und Katrin schon auf mich warten. Wir machen uns sofort ans Aufriggern und drehen die ersten paar Kilometer über die Strecke. Es ist noch ein wenig ausbaufähig, aber das wird schon noch. Einen Tag haben wir ja noch, um uns wieder einzugrooven.
Den Donnerstag nutzen wir dann auch intensiv dazu, so dass sich Stromi sogar zu der Aussage hinreißen lässt, dass er die vordere Umkehr noch nie so gut bei uns gesehen hat.

Die Nacht auf Freitag schlafen wir trotzdem nicht besonders gut - ein heftiges Gewitter fegt über die Stadt, es blitzt ununterbrochen und der Wind pfeift um die Häuser. Als wir in Allermöhe ankommen, sehen wir überall demolierte Zelte. So richtig weg ist das Gewitter immer noch nicht, so dass wir uns dann anstatt Rudern zu gehen doch erstmal nur aufs Spinningrad setzen. Der Rhythmus der Gewitter wird dieses Wochenende den Zeitlplan der Jahrgangsmeisterschaften noch gehörig durcheineanderwirbeln.


Ralf hat uns nun offiziell nachgemeldet, so dass wir auch als Boot außer Konkurrenz in den Setzlisten auftauchen.
Es war eine Entscheidung der Chefetage des Ruderverbandes, dass wir hier antreten und schneller als der beste U23-Doppelvierer sein müssen um für die WM nominiert zu werden. Wir selbst finden es zwar nicht falsch, nochmal zwei Rennen zur Vorbereitung nutzen zu können. Ausgesucht haben wir uns das aber sicherlich nicht und eigentlich sind wir der Meinung, das wir diese Saison bis auf das unglückliche Ergebnis in Ratzeburg eigentlich auch alle vier gute Leistungen vorweisen können, die man mit etwas good will auch dazu heranziehen könnte, uns ohne extra Rennen zu nominieren.
Auf den Jahrgangsmeisterschaften werden wir auch nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Die Schiedsrichter sind der Meinung, dass man uns mit Zeitrückstand starten lassen müsste. Der Unterschied zwischen den Weltbestzeiten im A- und U23-Doppelvierer beträgt knapp 14 Sekunden. Würden wir mit diesem Rückstand starten müssen, wären die anderen Boote, wenn wir starten, schon knappe 100m weit gefahren und wir würden somit Gefahr laufen, in der Welle des Schiedsrichterbootes loszufahren. Man einigt sich daher, uns im Bahnverteilungsrennen mit an den Start zu schicken und uns im Finale mit dem Rückstand starten zu lassen, den wir im Bahnverteilungsrennen als Vorsprung hatten. Die Taktik ist also klar: als erste ins Ziel kommen, aber nicht mit zu viel Vorsprung.
Auch auf Seiten der gegnerischen Mannschaften regt sich Widerstand gegen unsere Teilnahme. Letzten Endes sind das hier nun mal deutsche Meisterschaften und für viele der Mädels in den gegnerischen Booten somit der Saisonhöhepunkt. Insbesondere einer der Trainer sieht es als Entwertung der Meisterschaft an, ein Boot außer Konkurrenz mitfahren zu lassen und kündigt an, Einspruch zu erheben.

Um die Pause zwischen dem morgendlichen Training und dem Bahnverteilungsrennen zu nutzen und etwas zu haben, worauf wir uns nach dem Finale - wie auch immer es ausgehen mag, unterschätzen sollten wir den U23-Vierer auch nicht - freuen können, backen Leo, Lena und ich erstmal Camembertmuffins und Erdnussbrownies. Kaum sind die aus dem Ofen, geht's wieder raus an die Strecke.


 Wir rudern noch eine kleine Runde, um das frisch reparierte Steuer zu testen und ein bisschen abzuschwitzen. Inzwischen knallt die Sonne so dermaßen runter, dass wir in 20 Minuten jede über ein halbes Kilo verlieren und mit reichlich Luft nach oben über die Waage kommen.

Das Bahnverteilungsrennnen läuft ziemlich planmäßig: Nachdem wir uns eine ganze Weile mit dem schnellesten U23-Vierer gematcht haben, können wir gegen Ende des Rennens Druck rausnehmen und kommen mit etwas über zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel. Unsere Trainer hätten gerne weniger gehabt, aber mir hat einfach der Mut gefehlt, das Signal zum Lockerlassen zu geben, so lange das U23-Boot noch an unserem Heck klebte.

Über Nacht  und im Laufe des Samstages regnet es munter weiter, so dass sich die Wiesen um die Regattastrecke in eine einzige Schlammsuhle verwandeln. Wer keine Gummistiefel hat, leidet.

Keine zehn Minuten vor unsrer Waagezeit kommt dann auch die nächste Gewitterzelle um die Ecke, so dass die Rennen - und damit auch die Waage - nochmals um 20 Minuten verschoben werden müssen. Wir sind die einzige Mannschaft, die noch verwogen werden muss.

Auch organisatorisch hat es noch heftig gerumpelt: zunächst einmal haben sich die Schiedsrichter darüber beschwert, dass wir das Bahnverteilungsrennen nicht voll zu Ende gefahren sind (ganz ehrlich: selbst wenn es nicht um Zeitstrafen, sondern nur um die vermeintlich beste Bahn geht: wer macht das denn?) und wollten unseren Rückstand nun doch nochmal anders festlegen. Dann ist aber dem Einspruch des anderen Trainers stattgegeben worden und wir dürfen nicht im selben Rennen wie die anderen Vierer starten, sondern werden stattdessen einige Minuten später gegen die Uhr fahren.

Wir haben das Gefühl, dass von allen Seiten Prinzipienpolitik zu unseren Lasten betrieben wird, beschließen aber, uns davon nicht unsere gute Laune und unseren Kampfgeist nehmen zu lassen.
Immerhin dürfen Ralf und Cheftrainer Marcus nebenherfahren und sich angucken, was wir da machen. Wir starten auf der Mittelbahn, sie fahren mit ihrem Katamaran ganz außen an der Regattastrecke entlang, außer Hörweite. Näher werden wir dem Cheftrainer dieses Wochenende nicht kommen.

Der Seitenwind am Start ist so stark, dass Leonie mir helfen muss, das Boot auszurichten, weil ich es selbst nicht rumgezogen bekomme.
Achtung! Los!
Wir starten hochkonzentriert und mit der nötigen Ruhe im Endzug. Der Rest des Rennens gegen die Uhr wird ein Höllenritt. Wir fahren gut zusammen und bekommen insbesondere auf der ersten Streckenhälfte auch die vordere Umkehr ganz gut hin. Aber es ist so anstrengend, dass ich nach 500 Metern kaum noch weiß, woher ich die Luft für die Ansagen hernehmen soll. Hätten wir Gegner gehabt, wäre vielleicht der Mut dagewesen, zwei Prozent weniger zu investieren um sich die Luft zu verschaffen, etwas besser am Bootsdurchlauf zu arbeiten. Beim Zeitfahren trauen wir uns das nicht. Zu groß ist die Angst, durch das etwas weniger Aufwand die entscheidenden Sekunden zu verlieren.

An Land verkündet uns Ralf die erlösende Nachricht: Wir waren schneller als der U23-Vierer und sind nominiert. Bei mir macht sich Erleichterung breit. Zunächst bin ich einfach nur froh, dass es endlich vorbei ist. Ich bin so ausgepowert, dass ich noch meterweit neben mir stehe und bin wohl im Kopf auch einfach gerade nicht so weit, mich einfach darüber zu freuen, dass ich zur WM fahren darf. Dazu war es einfach alles zu zermürbend. Freuen kann ich mich aber über ganz andere Dinge: unserer Brownies sind echt lecker geworden und nach der Schlammschlacht gibt es auch nichts schöneres, als in die warme, duftende Badewanne zu steigen.

Endlich nominiert: Der LW4x für die WM von Bug (links) nach Heck: Ich, Leonie Pieper, Lena Reuß, Katrin Thoma (Foto: Ralf Hollmann)

Judith trainiert... Doppelvierer

Gestern hieß es für mich: früh aufstehen. Treffen zur ersten Einheit: 10 Uhr - in Offenbach. Also rein in den ICE um 6:08 ab Hamburg Hauptbahnhof. Zum Glück gibt's Kaffee im Bordbistro...

Am Frankfurter Hauptbahnhof treffe ich dann auf unsere neue vierte Frau. Nennen wir sie mal für den Rest des Artikels No.4, denn so ganz offiziell ist die Sache noch nicht. Rudern kann sie jedenfalls gut und an Land ist sie nett, manchmal aber auch ein bisschen planlos ;-)

Katrin holt uns vom Offenbacher Bahnhof ab, und dann geht's erstmal ans aufriggern. Das lustige Sammelsurium an Rollsitzen, das uns die Berliner für das Boot mitgegeben haben, hatten wir zwar in Ratzeburg extra fotografiert, um es wiederzuerkennen. Am richtigen Ort ausgeladen worden ist es aber trotzdem nicht. Zum Glück ist die Spurbreite halbwegs genormt, so dass wir uns für den ersten Tag Sitze aus anderen Booten ausleihen können.

Für unsere Trainer Ralf und Stromi ist schnell klar, wo in Ratzeburg der Hase im Pfeffer lag: "Ihr parkt in der Auslage." Also üben wir, Einheit für Einheit, vor allem eines: eine schnelle vordere Umkehr. Weil ich da nicht so der Pro bin, setzen wir das Boot nach den ersten paar Kilometern um: Katrin, die das von uns Luschen noch am besten hinbekommt, darf auf Schlag, während ich im Bug des Bootes meinen Tauchschein mache. Zumindest immer dann, wenn ein Schiff vorbeifährt, denn unser legendärer Riesen-Wellenbrecher von 2014 ist leider verschollen, und die Serienlösung ist leider mehr so 'ne Wellen-Sprungschanze, die jede noch so kleine Welle gleichmäßig über den Rücken der Bugfrau verteilt. Zum Glück ist es warm und sonnig.

Somit wäre schon einmal geklärt, wie wir uns auf dem Wasser fortbewegen. An Land gestaltet sich die Sache etwas komplizierter: Zwar würde Katrins Ruderverein Leo, No.4 und mir ein Auto zur Verfügung stellen, Parken können wir damit in der Nähe der Unterkunft aber nicht. Leo fährt also erstmal ins Parkhaus, während Katrin herumtelefoniert um Leute aufzutreiben, die uns ihre Fahrräder leihen. Nachmittags machen Leo und ich uns dann auf den Weg, um zwei der Fahrräder abzuholen. Also erstmal zum Parkhaus. Wir laufen zielsicher in die falsche Richtung los. Anschließend navigieren wir abwechselnd mit meinem (Android) und ihrem (Windows) Handy. Ergebnis der Vergleichsstudie: man kann sich mit beiden Systemen prima verfahren. 

Als wir die Fahrräder entgegennehmen stellen wir fest, dass eines davon ziemlich groß ist. Wenn ich auf dem Sattel sitze, komme ich nicht mal mehr auf Zehenspitzen an die Pedale. Netterweise geht die Mutter des Besitzers los, um uns einen Inbusschlüssel zu holen. Wir stellen fest: Größe 6 ist etwas zu groß. Größe 5 passt aber auch ganz und gar nicht. Ob das wohl zöllig ist?
Nach genauerer Betrachtung fällt Leo auf, dass wir zwar Größe 6 benötigen, aber nur mit 5 Ecken.
Nach noch genauerer Betrachtung löst der Bootsbauer der Germania das Problem mit einer Rohrzange. Jetzt komme ich zumindest an die Pedale. Ansonsten fährt es sich wie eine Dehnübung auf zwei Rädern. Aber ich komme vorwärts.

Katrin hat für uns drei Betten in der Frankfurter Jugendherberge gebucht. Und die ist noch so ein richtiges Hostel: 8-Bett Zimmer mit wildfremden, aber durchweg netten Menschen und die Dusche über'n Flur. Aber immerhin ein abschließbarer Hof für die Räder. Gegen Pfand (meine Sonnenbrille) gibt es den Schlüssel für das Hoftor. Leo und ich sind noch dabei, unsere Schlösser aufzufummeln, daher drücke ich No.4 den Schlüssel in die Hand, damit sie schon mal das Tor aufschließen kann. Ich wundere mich noch, warum sie mich fragt, was ich als Pfand hinterlegt habe, als Leo auffällt, dass sie gerade dabei ist, den Schlüssel wieder zur Rezeption zu bringen. Natürlich ohne vorher das Tor aufgeschlossen zu haben.

An Tag 2 rudert es sich schon viel besser. Nachdem wir dann noch das Boot vernünftig eingestellt haben, heben wir morgen bestimmt ab und fliegen übers Wasser...

Regatta Ratzeburg oder: vom Streben nach Glück

Alle Zitate in diesem Artikel stammen aus Chris Gardner: The Pursuit of Happyness

Ihr habt hier lang nichts von mir gelesen. Aber das hat auch einen guten Grund: Die letzten Wochen ist einfach mal so gar nichts passiert. Für den Senior-A-Bereich gibt es im Sommer eben neben den Weltcups, Welt- und Europameisterschaften keine halbwegs hochklassigen Regatten.

Die Zeit seit der Regatta Gent war für mich wie Wintertraining, nur dass es halt nicht so kalt und dunkel war. Ich bin viel Einer gefahren, was blieb mir sonst auch übrig? Katrin und Lena haben sich gemeinsam auf den Doppelzweier in Ratzeburg vorbereitet und Leo steckte über beide Ohren in ihrer Bachelorarbeit.

“The future was uncertain, absolutely, and there were many hurdles, twists, and turns to come, but as long as I kept moving forward, one foot in front of the other, the voices of fear and shame, the messages from those who wanted me to believe that I wasn't good enough, would be stilled.”
Ich denke, man kann sich vorstellen, dass das für die Motivation nicht einfach ist - es fehlte einfach die konkrete Zielsetzung. Letzten Endes war es die Gewissheit, dass es nach Ratzeburg dann ja endlich in den Vierer und zum Weltcup gehen sollte und oft genug auch einfach die Gewohnheit, jeden Tag zu trainieren, die mich jeden Tag ins Bootshaus trieb.

Zumindest konnte ich viel und konzentriert an meiner Rudertechnik arbeiten und fühlte mich stark und fit.

Am Wochenende nun also ENDLICH wieder eine Regatta. Wie auch die letzten paar Jahre war mir vom DRV "verordnet" worden, in Ratzeburg im Vierer an den Start zu gehen. Damit sich das Wochenende auch lohnt, hatte Markus mich zusätzlich auch noch im Einer gemeldet, da gab es aber am Samstag nur eine und am Sonntag gar keine Gegenmeldung, so dass er kurzerhand beschloss, mich bei den Schwergewichten mitfahren zu lassen.

Medaille No.1: Einer am Samstag
In der Woche vor der Regatta habe ich vom Umfang her ziemlich normal trainiert - und so wollte sich die Regattastimmung zunächst nicht so recht einstellen - es ist für den Kopf doch ein recht großer Unterschied, ob man eine Regatta "aus dem Training raus" fährt, oder ob man sich gezielt darauf einstellt und vorbereitet.

Das Wetter war am Samstag war für Ratzeburger Verhältnisse recht gut - sehr sonnig und die Wellen waren zumindest nicht so hoch, dass sie ins Boot laufen… Trotzdem hatte ich die ersten paar hundert Meter viel damit zu kämpfen, nicht nach Backbord aus meiner Bahn gepustet zu werden und fuhr mit einer entspannten Frequenz 31 erstmal auf gleicher Höhe mit der Ruderin aus Speyer. Gegen Streckenhälfte ist mir das dann ein bisschen zu langweilig geworden und außerdem war das mit dem Wind auch schon etwas besser, so dass ich beschloss, jetzt mal vorbeizufahren. So kam ich dann mit einer Länge Vorsprung ins Ziel.

Ich war zufrieden. Und hatte das Gefühl, endlich wieder in der Saison angekommen zu sein. Rennen zu fahren. Zu zeigen, was ich kann.

Später am Nachmittag ging's dann noch zum Training in den Doppelvierer - mit Katrin, Leo und Samantha Nesayda. Lena hatte beschlossen, ihre Ruderkarriere zu beenden. Mit Sam hatten wir aber auf jeden Fall eine starke und motivierte vierte Frau an Bord.

Der Sonntag wartete für mich mit einer bisher ungekannten Herausforderung auf mich: Rennen fahren VOR dem Wiegen. Eine Konstellation, die ich im Laufe des Vormittages lernte zu hassen. Mein Einerrennen sollte um 13:50 starten, wir hatten ungefähr 30° und das Gewicht für den Doppelvierer so gerade eben. Das führte zwangsläufig dazu, dass ich mich zwischen Frühstück und Einerrrennen nicht wirklich traute, viel zu essen oder zu trinken. Trotzdem konnte ich das Rennen glatt über die Bühne bringen und einen weiteren Sieg verbuchen.
Medaille No.2: schwerer Einer am Sonntag.
… und dann nahm die Katastrophe ihren Lauf:

Wir hatten am Boot nochmal einige Einstellungen verändert und um sicherzugehen, dass dabei keine unruderbare Bootskonfiguration herausgekommen war, wollte uns unser Trainer zwischen Waage und Rennen noch einmal für eine kurze Runde aufs Wasser schicken. Entsprechend pünktlich musste ich dann auch auf der Waage stehen (dank all der Aufregung und dem wenigen trinken mit 700g Luft ), so dass keine Zeit mehr blieb, mich im Einer noch ein wenig auszufahren. "Macht ja auch nichts - du fährst ja gleich noch ne lockere Runde Vierer". Gleich war dann allerdings nach wiegen, essen und Einteiler suchen doch erst eine Dreiviertelstunde später, so dass das Laktat gut Zeit hatte, sich in meinen Beinen festzusetzen.

Wir brauchten in etwa die halbe Runde, bis wir alle vom Kopf her so weit runtergefahren und konzentriert waren, dass das Boot auch halbwegs lief. Dann ging's für eine knappe halbe Stunde nochmal an Land.

Inzwischen hatte der Wind aufgefrischt und außerdem fuhr hinter jedem Rennen ein riesiges Zuschauer-Motoboot her, so dass der Warmfahrbereich nur noch aus Wellen bestand.

Ralf hatte und in der Rennbesprechung angewiesen, den Start "mehr auf Sicherheit" zu fahren, den Streckenschlag aber nicht unter 35 fallen zu lassen. Die Ampel sprang von Grün auf Rot, wir ließen unsere Technik in Wasser fallen und hühnerten los. Es muss ausgesehen haben, als ob man versehentlich vier Einerfahrer in ein Boot gesteckt hat. Wir fanden einfach keinen gemeinsamen Punkt und kamen als dritte, hinter der deutschen und der französischen U23-Mannschaft ins Ziel.

Ich muss glaube ich nicht erzählen, dass wir alle nicht zufrieden mit unserer Leistung waren, dass man aber trotzdem nicht auf die Idee zu kommen braucht, wir hätten uns nicht bemüht oder keine Lust gehabt. Ein Mannschaftsboot lebt - gerade bei schwierigem Wetter - oft davon, dass jede ungefähr weiß, wie die Schlagfrau normalerweise fährt und dass es irgendeinen - vorher definierten und geübten - Punkt im Schlag gibt zu dem man sicher wieder einsteigen kann, wenn man aus irgendwelchen Gründen aus dem Rhythmus gefallen ist. Das sind alles Qualitäten, die man normalerweise nicht innerhalb der ersten 45 gemeinsam geruderten Minuten entwickelt.

Also verabredeten wir uns vor dem Weltcup in Poznan nochmal für ein laaanges Trainingswochenende. Da würden wir die Kiste schon noch zum Rutschen bekommen.

Am Montag gab es dann das Meldeergebnis zum Weltcup und für uns die unschöne Nachricht, dass wir im Vierer keine Gegenmeldung hatten und das Rennen daher nicht stattfinden würde.

"Ich glaube hinfallen und wieder aufstehen habe ich in dieser Saison dann ausreichend geübt." - Das Zitat stammt ausnahmsweise mal von mir selbst.
Und, als wäre die Situation nicht schon doof genug für uns alle, sollen wir in drei Wochen auf den deutschen Jahrgangsmeisterschaften noch einmal -quasi außer Konkurrenz - gegen die U23-Mannschaft antreten und werden nur dann für die WM nominiert, wenn wir dort dann schneller sind. Manchmal würde ich mir einfach etwas mehr Vertrauen seitens des Ruderverbandes wünschen. Ich habe oft den Eindruck, dass ich fit und meine Leistungen im Großen und Ganzen gut sein können - so bald mal was schief läuft, muss ich erstmal wieder beweisen, dass ich zwei Skulls festhalten kann. Na ja, zumindest ist es so immer noch besser als erst zum Relationsrennen zu wissen, ob wir mitdürfen.
“It was right then that I started thinking about Thomas Jefferson on the Declaration of Independence and the part about our right to life, liberty, and the pursuit of happiness. And I remember thinking how did he know to put the pursuit part in there? That maybe happiness is something that we can only pursue and maybe we can actually never have it. No matter what. How did he know that?”
Richtig eingeholt hat mich die deprimierende Erkenntnis dann erst heute: du kannst dich noch so bemühen, deine Ziele zu erreichen, du kannst in der Form deines Lebens sein und es wird trotzdem noch immer Menschen und Umstände geben, die dir dein Ziel einfach wegnehmen können. Noch habe ich es diese Saison immer geschafft, geradeaus weiterzulaufen, bis das nächste Ziel am Horizont zu sehen war.
Am Donnerstag fangen wir an, zu trainieren. Wird schon.

Mal was anderes: International Ghent May Regatta

Nachdem das nun nichts geworden war mit der EM (weil nur für olympische Bootsklassen und da bin ich ja bekanntermaßen nicht dabei) wurde Markus beim Suchen nach einer "Ersatzdroge" in Belgien, genauer gesagt in Gent, fündig. Dort fand am Wochenende - zeitlgleich zur EM - eine Internationale Regatta statt. Dazu wiederum gleichzeitig gab's dann auch noch die Regatta in Bremen, wo Markus mit Jasper hinfuhr, so dass ich mich "ganz alleine" auf den Weg nach Gent machte.
Allein bin ich natürlich nicht gefahren - Carstens schwere Männer, mit denen ich vor zwei Jahren schon mal Langlaufen war, haben mich freundlicherweise mitgenommen. So stieg ich um kurz nach 10 bei strahlendem Sonnenschein zu Struppi in den Bus und übernahm in den nächsten sechs Stunden die "ehrenvolle" Aufgabe der Navigatorin - denn anders als ihm das die Trainer erzählt hatten konnte ich ihn beim fahren ja nicht ablösen (der Führerschein ist noch in Arbeit...) Auch das mit dem Navigieren hatte ich noch nicht so raus, denn bei der Suche nach der Angabe, wo wir mit unserer Karte tanken dürfen, habe ich gleich mal verpasst, Struppi zu sagen, dass er nach Bremen abbiegen soll und wir mussten an der nächsten Ausfahrt umdrehen.
Nach ein paar Stunden Fahrt, irgendwo im Ruhrgebiet, tauchte dann diese seltsame Kontrolleuchte auf, die wir beide nicht kannten... Also: Handbuch aufschlagen... oh, Struppi, ist die rot? Dann geht der Motor nicht mehr an, wenn wir ihn einmal aushaben. (Und Struppi musste sich erstmal wieder dran gewöhnen, nicht Automatik zu fahren...). Zum Glück war sie dann doch nur Gelb. Trotzdem entschlossen wir uns beim Tanken dann doch vorsichtshalber einen Kanister AdBlue nachzufüllen. Plopp- Rollrollroll... verdammt! Das war der Deckel... wo ist der hingerollt, Jungs? Nach einigem Suchen haben wir ihn dann zum Glück drei Autos weiter doch wiedergefunden.
Nachdem wir erleichtert festgestellt hatten, dass mein Handy auch im Ausland (ohne Internet) noch den Weg weiß und das Gerät auch schon zwei Powerbanks leergenuckelt hatte ist es dann kurz vor Schluss doch noch abgestürzt und wir mussten den Weg zur Regattabahn selbst suchen.

Die Watersportbaan in Gent ist mit Sicherheit die allerkleinste 2000m-Regattabahn, die ich bisher erlebt habe - die Strecke ist künstlich angelegt - also ein großer Betonpool - und hat nur fünf Bahnen für die Rennen und eine zum Hochfahren zum Start. Durch die Betonwände ringsrum hat natürlich auch keine Welle auch nur näherungsweise die Chance, sich irgendwo totzulaufen, so dass bei ordentlich Betrieb auf der Strecke das Wasser auch ganz schön kabbelig wird. Um dieses Problem nicht noch zusätzlich zu verschärfen, hat man sich in Gent dazu entschieden, die Schiedsrichter nicht auch noch auf der Strecke rumfahren zu lassen. Die dürfen stattdessen nebenherfahren - im Fiat 500.

Nachdem wir eine Runde gerudert waren und unsere Hotelzimmer bezogen hatten ging's dann zum Edel-Italiener (mehr aus Unwissenheit denn aus Absicht). Leider war der so edel, dass man von den stilvoll arrangierten Frischkäse-Spinat-Ravioli selbst als Leichtgewicht nicht so recht satt werden konnte. Zum Glück konnte Frieda mir noch mit einem Stückchen Kuchen aushelfen bevor wir uns unter unsere gemeinsame Bettdecke kuschelten.

Merke fürs nächste Mal: Waage im Powerzaal!
Am Samstag hieß es dann: Früh aufstehen, eine Runde wachrudern gehen und dann die Waage suchen... ach ja, und wo gibt's hier die Startnummern? Wenn man keinen Trainer dabei hat muss man sich plötzlich um alles selbst kümmern. Na ja, jedenfalls hab ich's trotzdem pünktlich, verwogen und mit der richtigen Startnummer aufs Wasser geschafft.

Nachdem ich nach einem relativ lahmen Start schon gut vorneweg fuhr, konzentrierte ich mich den Rest der Strecke darauf, dem heftigen Gegenwind einen technisch möglichst sauberen Schlag entgegenzustemmen und kam mit etwa 20s Vorsprung ins Ziel. Inwischen war auch die Sonne aufgewacht und ich war froh, dass das Hotel zu Fuß zu erreichen war, so dass ich in den sechs Stunden zwischen Vorlauf und Finale nochmal ein bisschen aus der Hitze rauskam.
Zum Endlauf war der Wind dann etwas weniger geworden und ich konnte mich ordentlich mit Leo Pieper matchen, die mich ganz ordentlich ärgerte, bis ich ihr dann doch irgendwann entkam - Sieg am Samstag, die erste Medaille dieser Saison!
Siegerehrung am Samstag (Foto:Koninklijke Roeivereniging Sport Gent V.Z.W)
Am Sonntag sollte der Vorlauf dann noch früher stattfinden, was für mich bedeutete, dass ich zwischen sechs und sieben Uhr morgens auf die Waage musste. Damit nicht meinentwegen einer der Trainer zu nachtschlafender Zeit aufstehen musste, verzichtete ich darauf, vorher nochmal Rudern zu gehen und schlug um halb sieben gemeinsam mit gefühlt allen anderen Leichtgewichten egal welchen Geschlechts und Alters im Wiegeraum auf.
Weil ich mich nicht hatte wachrudern können ging ich dann schon sehr früh, etwa eine Stunde vor dem Vorlauf, raus aufs Wasser und wurde prompt verwechselt: An der Mitte der Strecke sind Schiedsrichter positioniert, die schon mal schauen, ob auch alle gemeldeten Boote zum Start fahren, so dass man weiß, ob es sich lohnt zu warten, wenn am Start ein Boot fehlt. Die haben mich jedenfalls nicht als leichten A-Fraueneiner wahrgenommen, so dass ich am Start mit den Worten "1000m told me you must have come to the start by helicopter." begrüßt wurde.
Auch am Sonntag war der Vorlauf eher unspannend, mit einem lockeren ersten Platz konnte ich mich fürs Finale qualifizieren. Danach lief ich mit Steffi zusammen nochmal ins Hotel, um vernünftig und gemütlich zu frühstücken und wenigstens ein paar WM-Finals zu gucken. So sahen wir Anja auf einem winddurchwühlten Beetzsee Europameisterin werden.

Auch bei uns war es noch windiger geworden. Nachdem ich das Thema unterschätzt und meine Skulls nicht noch kürzer gestellt hatte, kam ich am Start nicht so recht los und hatte keine Chance mehr, die seelenruhig vornewegdampfende Leonie noch irgendwie einzuholen.
Anders als am Samstag gab es am Sonntag keine Siegerehrung, sondern man konnte sich die Medaillen im Clubhaus abholen. Auch anstehen für eine Medaille war für mich ein absolutes Novum. Aber ich hatte ja Zeit.... die Jungs waren erst am Nachmittag dran, so dass wir frühestens um halb sechs würden aufbrechen können. Meine Rettung bis dahin: Das Speculous-Eis vom fliegenden Eismann und ein schattiges Plätzchen unterm Baum.







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