Sonntag, 27. November 2016

Die große Testbatterie

Winteranfang ist Testzeit. Den ersten Test, die berühmt-berüchtgte KLD, habe ich mit einem gekonnt geplanten Trainingswochenende mit Fini in Brandenburg gerade so noch umschifft, dafür legen wir in der letzten Novemberwoche einen richtigen Analyse-Marathon hin.

Los geht es am Samstag in Ratzeburg: Hier steht Messboot auf dem Programm.
Anders als alle anderen Tests in den folgenden Tagen findet das aber nicht auf Aufforderung des Verbandes statt, sondern aus Eigeninitiative meines Trainers. Der will nämlich überprüfen, ob ich, seit ich im Sommer ein bisschen Viererfahren war, tatsächlich so geil rudern kann, oder ob er doch einen Knick in der Optik hat ;-)
Spaß beiseite: Wie schon bei meiner letzten Messboot-Session vor drei Jahren erklärt, handelt es sich bei dem Messboot nicht um einen ganz besonderen Kahn, sondern um alle mögliche Sensorik, die Messtechniker Mark in stundenlanger Bastelarbeit liebevoll in mein Boot geklebt hat. Die misst jetzt im Wesentlichen wie viel Kraft ich in Abhängigkeit des Winkels an der Dolle ans Blatt bekomme, und wie die Bootsgeschwindigkeit darauf reagiert. Mark und Markus fahren im Motorboot nebenher und können sich die Kurven live auf dem Laptop angucken. Ich bekomme sie später in der Auswertung präsentiert.
Fazit: Im Vorder- und Mittelzug operiere ich auf dem guten Niveau, das Markus meint, mit dem bloßen Auge erkannt zu haben, am Endzug muss ich aber noch arbeiten.

4 Tage später, gleicher Ort, anderes Testformat: Stufentest.
Nachdem mich mein Kollege Stefan ausführlich zu dem Thema interviewt hat und ich mich deswegen auch selbst ein bisschen aufschlauen musste, kann ich euch jetzt auch berichten, was da gemessen wird:
Und zwar fährt man im Stufentest, wie der Name schon andeutet, mehrere 4-minütige Stufen bei einer vorgegebenen Leistung. In den jeweils 30 Sekunden zwischen den Tests wird am Ohrläppchen ein bisschen Blut abgezapft und die darin enthaltene Laktatkonzentration gemessen. Über eine entsprechende Interpolation kann man dann ermitteln, wo beim jeweiligen Athleten die aerobe und die aerob-anaerobe-Schwelle liegt.
Die aerobe Schwelle bei einer Laktatkonzentration von ca. 2mmol/l bezeichnet den Leistungsbereich, in dem der Körper erstmals zusätzlich zum aeroben Stoffwechsel auch noch einen gewissen anaeroben Anteil "zuschaltet". Ab der aerob-anaeroben Schwelle bei 4mmol/l ist der anaerobe Anteil der Energiebereitstellung so hoch, dass der Körper das Laktat, welches als Nebenprodukt des anaeroben Stoffwechsels anfällt, nicht mehr so schnell abbauen kann, wie es nachgebildet wird. Die Muskulatur fängt in folge dessen an zu übersäuern und kann die Leistung deshalb nicht dauerhaft durchhalten.
Die beiden Schwellen werden einerseits als Messwert für die Fitness des Sportlers genutzt - je höher die Schwellen, desto besser die Ausdauer - andererseits dienen sie auch der Trainingssteuerung. Extensives Ausdauertraining zum Beispiel sollte immer unterhalb der 2mmol-Schwelle stattfinden.
Meiner Fitness scheint es schon mal gut zu gehen - zumindest ist meine 4mmol-Schwelle dort, wo sie auch während der letzten paar Tests lag, und die P2-Schwelle hat sich nochmal etwas nach oben hin verbessert.

3 Tage darauf: gleiches Gerät, anderer Ort, andere Aufgabe: 2000m Ergometertest in Dortmund. Meine absolute Hass-Disziplin. Als Top-Leichtgewicht sollte man unter 7:10min fahren. Mein persönlicher Bestwert liegt bei 7:15,3. Mit meiner Leistung liege ich bei den meisten Verbandstests im oberen Mittelfeld - U23 eingeschlossen.
Ich habe natürlich die ganze vergangene Woche ziemlich viel Ergofahren geübt. Läuft soweit ganz gut, zumindest über kürzere Strecken. Länger als ein paar Minuten bin ich auf den höheren Frequenzen aber nie gefahren. Mir steckt die lange Autofahrt noch in den Knochen, mein linkes Bein fühlt sich beim Warmfahren ein bisschen fest an. Andererseits gibt es wohl nie den Tag, an dem man sich vor dem Test in absolut unübertroffener Topform fühlt. Schon allein deswegen, weil man aufgrund der Nervosität jedes kleine Zwicken in Körper und jede nicht ganz so perfekte Bewegung viel intensiver wahrnimmt und interpretiert als an einem normalen Trainingstag.
In der Rennbesprechung waren wir uns uneinig: Markus meinte, ich soll mal so eine 7:18 anpeilen. Mir schwebte eher eine 7:16 vor. (Klingt wahrscheinlich jetzt erstmal wenig für euch... Um euch einen Anhaltswert zu geben: in den letzten 5 Jahren habe ich mich pro Jahr auf dem Ergo um ca. 2 Sekunden verbessert.) 
Also los: dieses Jahr habe ich leider nicht die Seite des Ergoraums mit Aussicht über den Kanal erwischt, sondern die mit Blick auf die Wand. Ist aber auch egal, nach den ersten paar Schlägen verengt sich die Wahrnehmung sowieso zunehmend. Dann ist da nur noch das Display, der Rhythmus des Schlages und das Brüllen meines Trainers. Ich konzentriere mich darauf, es "laufen zu lassen" und mich nicht aus dem Rhythmus bringen zu lassen. Mein Display zeigt fast durchgängig den selben Wert: 1:49min/ 500m. Ich bin gut unterwegs. Dank Start- und Endspurt steht am Ende eine neue persönliche Bestzeit: 7:14,8. Neben mir fällt Katrin vom Ergo, auch ich brauche eine ganze Weile, bis ich wieder aufstehen und zur Laktatabnahme laufen kann. Da sitzen wir dann zu acht im Stuhlkreis, knapp 10 Minuten lang und sind noch hauptsächlich mit Atmen beschäftigt.

Während ich mich warmgemacht habe, hat Markus meine neuen Skulls mit den Süderelbe-Farben beklebt. Um zu testen, ob es hält und um mich wieder ans Rudern im Boot zu gewöhnen, drehe ich Nachmittags noch eine lockere Runde im Einer.

Am Sonntag heißt es dann: Showdown. 6000m im Einer. 
Anders als viele andere Ruderer freue ich mich immer auf diesen Test. Langstrecke liegt mir mehr als die üblichen 2000m und ich genieße es, dass man aufgrund der Streckenlänge nicht die ganze Zeit auf Anschlag fahren kann, sondern dafür sorgen muss, das Boot mit wenig Aufwand schnell voran zu bringen.
Weil Anja Noske dieses Wochenende krank ist und unsere beiden Olympionikinnen von der Langstrecke freigestellt sind, darf ich als Erste fahren. Katrin folgt mit 45 Sekunden Abstand, dahinter kommt Österreichs Einerfahrerin Leonie Pless. Mein Ziel: schneller sein als Katrin und mindestens genauso schnell wie Leonie. Mein Start ist noch etwas holprig, aber ich finde immer besser ins Rennen und kann relativ mühelos (natürlich ist es anstrengend) meine Frequenz bei 32 Schlägen pro Minute halten. Hinter mir sehe ich, wie Leonie auf Katrin aufläuft, kann aber schlecht abschätzen, ob ich meinen Vorsprung ausgebaut habe oder nicht. Nach knapp 24:44 Minuten "erlöst" mich die Zielhupe. Ich paddle langsam weiter und warte, bis auch Katrin und Leonie durchs Ziel kommen. Der Kommentator bestätigt, was Markus schon vermutet hat: Ich war schneller! Auch die folgenden Boote können meine Zielzeit nicht toppen, so dass ich zum ersten Mal in meinem Leben die Langstrecke gewinne. Freut mich unwahrscheinlich. Noch mehr freut mich, dass wir wohl doch kein Messboot gebraucht hätten: Jeder Trainer, dem ich nach dem Rennen begegne, sagt mir das gleiche: "Sah verdammt gut aus, was du da machst."

Sonntag, 13. November 2016

Judith trainiert... den Widrigkeiten zum Trotz

Jeder Trainer hat sein Prinzip, sein Mantra, dass er seinen Sportlern weitergibt, und das man als Sportler so oft gehört hat, dass es einem eigentlich schon in Fleisch un Blut übergegangen sein sollte. Man braucht es dann nur noch umzusetzen. Ganz einfach.

Da ich inzwischen schon den zweiten langfristigen Heimtrainer habe, gibt es da natürlich auch zwei Ruderwahrheiten in meinem Kopf. Groß geworden bin ich mit:
Rudern muss Spaß machen.
Meinem ersten Trainer wäre es nie in den Sinn gekommen, mir vor einem Rennen viel Glück (wenn man das braucht, dann kann man es eh lassen) oder viel Erfolg zu wünschen. Ich bekam immer ein "viel Spaß" mit auf den Weg. Deshalb stehe ich noch heute breit grinsend auf dem Regattaplatz und freue mich darauf, dass ich gleich ein Rennen fahren darf.

Der zweite wichtige Satz in meiner Karriere ist:
Die erst Pflicht des Athleten ist, gesund zu bleiben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Sätze unglaublich wichtig sind. Würde es keinen Spaß machen, sollte ich es lassen. Wer krank ist - oder Gefahr läuft, krank zu werden, sollte nicht trainieren. Keine Goldmedaille der Welt ist es wert, seine (körperliche wie geistige) Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Und doch ist es manchmal unglaublich schwierig, diese Grundsätze einzuhalten.

Es gibt einfach diese Wochen, in denen alles drunter und drüber geht. Das Management hat gewechselt, ich habe es mal wieder geschafft, im ersten Kontakt einen positiven Eindruck zu hinterlassen und bin plötzlich mit ganz neuen Erwartungshaltungen konfrontiert. (Fragt mich nicht, wie ich das mal wieder hinbekommen habe. Bisher weiß er nur, was ich studiert habe und welche Themen ich bearbeite. Dass ich rudere, und was ich für meine Zukunft plane weiß er noch gar nicht.) Nichts fällt mir schwerer, als Menschen, die ein positives Bild von mir haben, zu enttäuschen. Und plötzlich sitzt man dann mal eben 9 Stunden im Büro und bereitet ein Projektreview vor, dass man dann doch nicht halten darf. Jetzt, wo wir sowieso nicht mehr draußen trainieren können, ist es ja auch egal, wenn ich eine Stunde später trainieren gehe, oder?
Und dann stehe ich im Kraftraum und möchte eigentlich nur noch ins Bett. Und das nicht nur einmal.

Aber es geht nicht. Ich MUSS trainieren. Am ersten Advent ist Ergotest und Langstrecke und ich werde gut sein müssen. Nicht Judiths-Durchschnitt-gut sondern RICHTIG gut, denn nächstes Jahr werden wir wohl keinen A-Kader mehr haben und drei der vier B-Kader Plätze sind wohl schon an die 2 Olympionikinnen nebst Ersatzfrau vergeben. Wenn Leo oder Katrin oder jemand anderes einen guten Tag erwischt, könnte es das gewesen sein mit der Sportförderung für's nächste Jahr. Also ran an die Eisen.
Soviel zum Thema "Rudern macht Spaß."

Der zweite Satz ist ungleich schwieriger einzuhalten, insbesondere dann, wenn man das Gefühl hat, sowieso schon zu wenig zu trainieren.
Ruf' mal deinen Trainer an und sag: "Ich komm' heute nicht, ich kann die Augen kaum noch offen halten." Das kratzt ganz schön am persönlichen Stolz. Alle anderen schaffen es ja auch. Denkt man sich so. Und dann sitzt man in der Kinopremiere von "DIE NORM - ist dabei sein wirklich alles?" und stellt fest: ein Sportlerleben ist ein ständiger Drahtseilakt zwischen Wollen und Können. Nicht nur bei mir.

Am Freitag wollte ich dann auch mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Habe es auch probiert und dann doch lieber sein lassen. War eher so Eislaufen auf 2 Rädern. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals einen so kalten November hatten. Obwohl ich zugeben muss dass Schnee auf grünen Laubbäumen ziemlich cool aussieht...
Was ist falsch auf diesem Foto? Genau, es ist November.
Die Langstrecke in Mölln (die wir zur Vorbereitung auf den Kadertest nutzen wollten) ist tatsächlich auch witterungsbedingt abgesagt worden. Trotzdem habe ich natürlich versucht, rudern zu gehen. War nicht auszuhalten gestern. (Nebel, -5°, Wind, lange Ruderklamotten + Schwimmweste). Selbst Markus' Katamaran weigerte sich, loszufahren.
Heute (-1°, Thermohose, Thermoshirt, Skisocken, Buff, Mütze, Einteiler, winddichtes Shirt, T-Shirt, Weste) ging es dann halbwegs. Um die ausgefallene Langstrecke zumindest etwas zu simulieren, bin ich gemeinsam mit den anderen Hamburger Sportlern 4km auf der Regattastrecke gefahren. War am Anfang ziemlich kabbelig, aber am Ende sorgte die Tatsache, dass ich den vor mir gestarteten 2er-ohne noch überholen konnte, für einen gewissen Motivationsschub... und da war er wieder, der Spaß an der Sache.

Samstag, 15. Oktober 2016

Sturmflut rückwärts

Die Katastrophen von heute sind die guten Geschichten von morgen.

Die letzten beiden Tage sind sehr anstrengend gewesen. Am Donnerstag morgen um vier habe ich mich auf den Weg nach Augsburg zu einer internen Konferenz gemacht. Ich habe viele interessante Vorträge gehört, diskutiert und Vesrsuchs-Fertigungslinien bestaunt. Ich habe meinen riesigen Miet-Astra mit viel Fluchen und in noch mehr Zeit irgendwie in dieses winzige Hotel-Parkhaus gezirkelt. Geschlafen habe ich wenig und um Sport zu machen fehlte die Zeit.

Vorsichtig taste ich mich Schritt für Schritt die Rampe zum Steg runter. Es ist feucht und die Rampe ist entsprechend glatt. Außerdem geht es verdammt steil runter. Nur nicht das Boot fallen lassen. Ich kann nur ganz vom Ende des Steges ablegen, da ist das Wasser immerhin noch knappe 30cm tief. Ich denke mir nicht viel dabei - wird bestimmt bald wieder auflaufen.
Ich bin müde. Nicht so "heute fühle ich mich ein bisschen schlapp" - müde sondern "lass mich bitte SOFORT wieder in mein Bett die Welt da draußen vertrage ich in meinem Zustand nicht" - müde.

Passenderweise stehen heute 3x 750m Vollgas auf dem Trainingsplan. Es kommt selten vor, dass ich keine Lust habe zu rudern, aber heute ist so ein Tag. Bei jedem Wort von Markus wünsche ich mir einfach nur, dass er die Klappe hält. Ich fahre eine der Strecken. Läuft verdammt scheiße. War auch zu erwaten. Wir beschließen, heute mal nur Grundlagenausdauer zu machen und restlichen Strecken vielleicht doch lieber morgen zu fahren, wenn ich ein bisschen ausschlafen konnte.

Der Rest der Einheit läuft den Umständen entsprechend ganz okay, aber die letzten paar Meter zur Schleuse hin kämpfe ich doch sehr mit dem Ostwind. Kurz vor der Schleuse sehe ich, wie Markus hinter mir das Handy zückt. Nanu, denke ich mir, der ist heute aber ungeduldig. Normalerweise warten wir dann doch ein bisschen, ob uns die Schleusenbediener nicht doch noch auf dem Radar erkennen. Ich drehe mich um und stelle fest, dass die beiden roten Lichter auf der Schleusenampel übereinander sind. (Das bedeutet Schleuse gesperrt.)
Offenbar ist der Wasserstand so niedrig, dass nicht mehr geschleust wird. Leider macht der Schleuser (Markus ist fest davon überzeugt, dass wir heute den Kollegen Erbsenzähler erwischt haben) auch keine Ausnahme für Boote mit weniger Tiefgang. Markus wirft einen Blick in den Tidekalender und stellt fest, dass das Wasser noch etwa eine halbe Stunde lang abläuft.

Zur Illustration... (Quellen: ibabahn.de, bsh.de)
Die Variante "Umtragen" verwefe ich recht schnell wieder. Erstens habe ich wenig Lust, barfuß über die Büschung zu kraxeln, zweitens Angst um mein Boot und drittens kann ich davon ausgehen, dass der Steg sowieso die nächste Dreiviertelstunde noch auf dem Trockenen liegt. Also ab über die Elbe. Sind ja nur 11km Umweg... Immerhin ist die Tide am kippen, als ich aus dem Rethehafen auf die Elbe rausfahre. Ich fahre also mit der Strömung, leider aber auch gegen den Wind.
Dafür habe ich die einmalige Gelegenheit, an der Kattwyckbrücke unter dem Kran durchfahren zu können. Schiff von unten ist irgendwie lustig...

Nach knapp 3 Stunden und 29 Ruderkilometern ist meine Wanderfahrt dann zum Glück zu Ende. Einen Vorteil hat die Aktion aber auf jeden Fall gehabt: Nachmittags habe ich nicht nochmal trainieren müssen und konnte schön zwei Stunden Siesta machen. Vielleicht klappt es morgen dann auch mit den Strecken.

Sonntag, 25. September 2016

Abtauchen - Auftauchen - Abheben

Die Wochen nach der WM sind traditionell die Zeit um die Beine hochzulegen, in den Urlaub zu fahren, Klausuren nachzuholen... kurzum: um alles das zu tun, was man während der Trainings- und Wettkampfphase nicht tun kann.
Nun fällt Urlaub bei mir leider normalerweise flach (der Tarifurlaub geht ja schon komplett für die Trainingslager drauf), Beine hochlegen ist eh nicht so mein Ding und Klausuren hat man ja als Arbeitnehmerin auch nicht (nach)zuschreiben. Was zum Teufel hab ich also in den letzten vier Wochen, außer Lebkuchenherzerl malen, getan? 

Abtauchen

Wer sagt denn, dass Dienstreisen keinen Spaß machen?

Blick aus dem Bunker.
Der Sommer hat extra darauf gewartet, dass ich wieder zu Hause bin. Leider hat er da nicht an die Freibäder gedacht, die leider alle schon Anfang September ihre Pforten schlossen, so dass ich mich genötigt fühlte, doch ganz einfach den Baggersee zu nehmen. 
Die weit bessere Alternative bot sich dann allerdings mitte der Woche: meine Kollegen und ich waren auf "Klassenfahrt" in Saint Nazaire, wo uns unsere französischen Kollegen die Monatge der mittleren Rumpfsektion der Langstreckenflugzeuge erklärt haben. Wir haben viel gesehen, viel gestaunt und eine Menge Anregungen für unsere A320-Rumpfmontage mitnehmen können. Und trotz des vielen Inputs blieb doch noch die Zeit, im Atlantik zu plantschen, Hitlers U-Boot-Bunker zu besichtigen und im Casino ein paar Euro bei Roulette zu er- und wieder zu verspielen.

Auftauchen


Rushhour beim Sommerfest.
Unter dieses Stichwort passt nicht nur der Ausflug nach München, sondern auch das - aufgrund des tollen Wetters spitzenmäßig besuchte - RCS Sommerfest, wo ich den halben Tag damit beschäftigt war, mehrere Quadrameter Kuchen zu verkaufen.

Außerdem konnte ich mich auch mal auf der Balkoneinweihungsparty meiner besten Freundin blicken lassen (sonst bin ich ja eher nicht dafür bekannt, zu irgendwelchen Partys zu gehen. Meistens bin ich dann doch unterwegs oder muss früh raus am nächsten Tag).
Oh ja, Rudern macht immer noch Spaß.
Orange is the new red:
Während ich bei der WM war, hat mein Boot eine Rundumerneuerung genossen.
Nordddeutsche Meisterin im Fraueneiner - klappt auch untrainiert...
Und schließlich hat die wunderschöne (nahezu) trainingsfreie Zeit ihren krönenden Abschluss in den Norddeutschen Meisterschaften gefunden. Gestern mit Irene im Zweier fehlte leider etwas die Power, aber heute konnte ich mit meinem frisch renovierten Boot die Goldmedaille im Fraueneiner abstauben.


Abheben

Anna, ASK21 und ich.

Mein persönliches Highlight der letzten Wochen war nichtsdestotrotz der Tag auf dem Segelflugplatz Boberg. Meine Freundin Anna, die gerade ihre Fluglehrerausbildung macht, hatte mich eingeladen.
Es war toll! Und ganz anders, als man sich Segelfliegen so vorstellt. Hat mehr was von Achterbahnfahren als von schwerelosem dahingleiten. Macht aber trotzdem (oder vielleicht auch deswegen) irrsinnig Spaß.

Madrid wants to keep on rowing!

Bad news from the place where the story of this blog began a little over three years ago:

The government of Madrid decided in May to start a renaturalization project for the river Manzanares. You may argue that on the first sight, this sounds like a good idea. Having seen (and sometimes smelled) that river, dammed up and squeezed between high concrete walls, it's not a wrong thought at all to consider to convert it into a place to live for fish (and if you believe the plans of the activists even otters) again. The bad news are, however, that the naturalization plan seems to consist mainly in opening all locks, which leads to a massive reduction of the water level. El Mundo reports that islands have formed already in the river bed.

The rowing community in Madrid looks back onto a long tradition of rowing on ponds of less than 300 metres in length, but a small creek with green islands does not even serve these masters of improvisation for their daily training.

The rowing school opened only 4 years ago in the frame of the Parque Madrid Rìo project and has it's boat hangar and pontoon ceded for use by the city of Madrid. Although with a length of about a kilometre and a width just big enough to turn around a quad, the section of the Manzanares in Legazpi is still far from being the ideal place to row, it has enabled the competitive rowers of Madrid to prepare successful participations to the national championships. Moreover, a lot of children and adults have learned rowing in the rowing school and have discovered it as their favorite leisure activity.

To me, it sounds like a bad joke that the government of the same city that built a place to row a few years ago, is now simply forgetting about it. (Especially when you are, alike me,  living in a country where each public construction project of that size will last for decades because the alleged public good needs to be carefully weighted against the interests of single persons and organizations.)

Does anybody really believe that there can't be a compromise between the interests of the rowers and nature? After all, rowing is not harmful to nature but beneficial for our health and personal development.

Please help my friends to make themselves heard by signing their petition to the mayor of Madrid.

Mittwoch, 14. September 2016

Hacker-Pschorr Wiesnchampion

"Mensch, Judith, du bist ja echt der spontanste Mensch der Welt!"
Max kann seine Begeisterung kaum zähmen, als ich ihn am Montag abend anrufe, um nochmal eben alle Details für den Dienstag zu besprechen. Da muss ich ihn korrigieren: ich hatte immerhin das ganze Wochenende Zeit, mich mental auf eine eintägige Münchenreise vorzubereiten. Die echte Spontaneität hat aber einmal mehr mein Chef gezeigt, der mich ganz verwundert angeschaut hat als ich ihn am Montagmorgen darum gebeten habe, den Dienstag für ein Sponsoringevent frei zu bekommen. "Wieso fragst du denn überhaupt? HAU AB!"

Wiesnchampion also. Obwohl ich eigentlich kein Bier trinke und mir dieses ganze Gedöhns das ums Oktoberfest gemacht wird irgendwie suspekt ist, möchte ich mir doch die Chance nicht nehmen lassen, die Jungs von Monaco Funding, die mich so toll bei der Bootsfinanzierung unterstützt haben, mal persönlich kennenzulernen.
Die erste nette Begegnung mache ich gleich am Münchner Flughafen: Als ich vor dem Fahrkartenautomaten stehe, fragt mich ein Mann, in gebrochenem  deutsch, ob ich in Richtung Hauptbahnhof fahre. Dann könnte ich auf seiner Gruppentageskarte mitfahren. Als er ein paar Stationen vor dem Hauptbahnhof aus der Bahn steigt, schenkt er mir sogar die Fahrkarte, so dass ich den ganzen Tag noch lustig durch München gurken kann, wenn mir denn danach ist oder ich die Zeit finde. Am Bahnhof werde ich dann von Max erwartet, der mich zum Büro von Monaco Sports bringt und mir dort seine Kollegen vorstellt und mir stolz die Dachterasse mit Blick über die Münchenener Innestadt präsentiert.
Die Jungs von Monaco Sports sind echt nett und haben eganz viele Fragen an mich - ihr Job ist es, Sportstipendien in den USA zu vermitteln, und sie fragen sich, warum das bei den Ruderern irgendwie nicht so richtig ankommt. Ehe wir uns versehen, habe ich ihnen das komplette Qualifikatioonssystem des Deutschen Ruderverbands erklärt und wir sind echt schon spät dran um zum Marienplatz zu kommen. Statt zu laufen nehmen wir dann doch leiber die Bahn um pünktlich anzukommen.

Am Marienplatz treffen wir dann meinen Teamkollengen für den heutigen Wiesn-Triathlon, den Monoski-Doppelweltmeister Georg Kreiter. Gegen uns werden die Fußballer von TSV 1860 München, die Eishockeyspieler vom EHC Red Bull München und die Volleyballer vom TSV Herrsching antreten.
Leider müssen wir dann aber erstmal feststellen, dass Max leider falsch informiert war: unser Wettkampf findet im Brauhaus von Hacker-Pschorr statt und das liegt an der Theresienwiese. So langsam wird es knapp mit der Zeit...
Die Monaco-Jungs rufen sich ein Taxi, ich sprinte mit Georg zu dessen Auto (auf seinen 2 Rädern ist er was Geschwindigkeit angeht echt ein bisschen im Vorteil).
Es ist wahnsinnig viel Verkehr in Münchens Innenstadt, so dass wir für die knapp 4 Kilometer fast eine halbe Stunde unterwegs sind. Zeit genug, sich näher kennen zu lernen und sich darüber auszutauschen, wie man das mit Sport und Job unter einen Hut bekommt. Auf jeden Fall ist Georg ein sehr sehr netter und sympathischer Zeitgenosse. Wahrscheinlich wäre uns auch bei 400 Kilometern in dem Tempo nicht langweilig geworden.

Als wir dann endlich ankommen, ist der erste Wettkampf schon im Gange: beim Anzapfen geht es darum, den Hahn mit möglichst wenigen Schlägen ins Bierfass zu bekommen. Die Dritte in unserem Team, die Para-Dressurreiterin Julia Porzelt, hat sich leider den Arm gebrochen und kann deshalb heute doch nicht dabei sein. Deshalb hat uns Hacker-Pschorr heute als "Joker" den Braumeister zur Verfügung gestellt, der souverän mit zwei Schlägen anzapft und uns damit erstmal in Führung legt. (Mit einem Schlag anzuzapfen, so erklärt er uns später, sei unprofessionell - zu groß wäre hierbei die Gefahr, dass der Hahn wieder rausfällt und man eine ausgiebige Bierdusche nimmt.)

Auch die nächste Disziplin ist was für echte Männer: Maßkrug stemmen am ausgestreckten Arm. Georg hält den Krug etwas über zwei Minuten (und das mit Links!) und damit schon deutlich länger als der Volleyballer. Gegen den Eishockey-Verteidiger, der nach vier Minuten immer noch dasteht ohne auch nur im geringsten die Miene zu verziehen, kann aber niemand was ausrichten.

Für meine Disziplin sollte ich nach all den Dankeschönkeksen für meine Unterstützer eigentlich perfekt vorbereitet sein. Die Aufgabe lautet: "Verziere das Herzerl in zwei Minuten mit einer Liebeserklärung an deinen Verein." Also los - Riesen-Spritztüte trifft Riesen-Lebkuchenherz (die Größe, die auf dem Wasn für schlappe 39 Euro verkauft wird). Die 2 Minuten reichen gerade für eine technisch saubere Ausführung des Monaco-Funding Logos.
Das Herz der Jury gewinnt jedoch der Eishockeytorwart mit seiner simplen, aber überzeugenden Botschaft: I love Hacker-Pschorr!

Damit tragen die Eishockeyprofis einen ungefährdeten Sieg nach Hause und wir können uns offiziell mit dem Titel Vize-Wiesnchampion schmücken. Und natürlich muss auch das gesamte Team nach der Brotzeit (schon allein dafür mal wieder g'scheite Brezeln zu bekommen hat sich die Reise nach München gelohnt!) nochmal ausprobieren, wie lange wir so einen Maßkrug halten können. Fazit: Georg war wohl schon die richtige Wahl.

Und so stehe ich abends am Münchner Flughafen und überlege mir, ob so ein 60-cm Lebkuchenherzerl wohl als Sperrgepäck eingecheckt werden muss. (Muss es nicht, aber in die Kiste vom Handgepäckscanner passt es auch nicht rein.) Glücklicherweise ist im Flieger der Sitz neben mir leer...

Samstag, 27. August 2016

WM-Finale in Zahlen

The world rowing championship final in numbers.

Falls ihr es verpasst habt: ihr könnt euch das Video hier anschauen (unser Rennen startet etwa bei 46:45min) - If you missed it, you can watch the race on youtube (it starts approx. at 46:45min).
All photos by Oliver Quickert.

1050 km gemeinsames Training /Training kilometres

22 Windgeschwindigkeit des Gegenwinds in km/h / Speed of the headwind in km/h

3 Meter Vorsprung vor GB and der 1000m-Marke / meters ahead of GB after half the race

1300 meter in Führung / Meters in lead

1.85 Sekunden Rückstand auf Großbritannien im Ziel / seconds behind GB on the finish line

52,9 Gewicht unseres Bootes in kg nach dem Rennen / Boat weight in kg after the race

4000 geschätzte Anzahl Kalorien, die ich nach dem Rennen verdrückt habe/ estimated number of calories I ate after the race


It was phantastic. Thanks to the GB and CHN teams for the togh racing. Great fight! 
Thanks to you for your interest and support!