Mittwoch, 14. September 2016

Hacker-Pschorr Wiesnchampion

"Mensch, Judith, du bist ja echt der spontanste Mensch der Welt!"
Max kann seine Begeisterung kaum zähmen, als ich ihn am Montag abend anrufe, um nochmal eben alle Details für den Dienstag zu besprechen. Da muss ich ihn korrigieren: ich hatte immerhin das ganze Wochenende Zeit, mich mental auf eine eintägige Münchenreise vorzubereiten. Die echte Spontaneität hat aber einmal mehr mein Chef gezeigt, der mich ganz verwundert angeschaut hat als ich ihn am Montagmorgen darum gebeten habe, den Dienstag für ein Sponsoringevent frei zu bekommen. "Wieso fragst du denn überhaupt? HAU AB!"

Wiesnchampion also. Obwohl ich eigentlich kein Bier trinke und mir dieses ganze Gedöhns das ums Oktoberfest gemacht wird irgendwie suspekt ist, möchte ich mir doch die Chance nicht nehmen lassen, die Jungs von Monaco Funding, die mich so toll bei der Bootsfinanzierung unterstützt haben, mal persönlich kennenzulernen.
Die erste nette Begegnung mache ich gleich am Münchner Flughafen: Als ich vor dem Fahrkartenautomaten stehe, fragt mich ein Mann, in gebrochenem  deutsch, ob ich in Richtung Hauptbahnhof fahre. Dann könnte ich auf seiner Gruppentageskarte mitfahren. Als er ein paar Stationen vor dem Hauptbahnhof aus der Bahn steigt, schenkt er mir sogar die Fahrkarte, so dass ich den ganzen Tag noch lustig durch München gurken kann, wenn mir denn danach ist oder ich die Zeit finde. Am Bahnhof werde ich dann von Max erwartet, der mich zum Büro von Monaco Sports bringt und mir dort seine Kollegen vorstellt und mir stolz die Dachterasse mit Blick über die Münchenener Innestadt präsentiert.
Die Jungs von Monaco Sports sind echt nett und haben eganz viele Fragen an mich - ihr Job ist es, Sportstipendien in den USA zu vermitteln, und sie fragen sich, warum das bei den Ruderern irgendwie nicht so richtig ankommt. Ehe wir uns versehen, habe ich ihnen das komplette Qualifikatioonssystem des Deutschen Ruderverbands erklärt und wir sind echt schon spät dran um zum Marienplatz zu kommen. Statt zu laufen nehmen wir dann doch leiber die Bahn um pünktlich anzukommen.

Am Marienplatz treffen wir dann meinen Teamkollengen für den heutigen Wiesn-Triathlon, den Monoski-Doppelweltmeister Georg Kreiter. Gegen uns werden die Fußballer von TSV 1860 München, die Eishockeyspieler vom EHC Red Bull München und die Volleyballer vom TSV Herrsching antreten.
Leider müssen wir dann aber erstmal feststellen, dass Max leider falsch informiert war: unser Wettkampf findet im Brauhaus von Hacker-Pschorr statt und das liegt an der Theresienwiese. So langsam wird es knapp mit der Zeit...
Die Monaco-Jungs rufen sich ein Taxi, ich sprinte mit Georg zu dessen Auto (auf seinen 2 Rädern ist er was Geschwindigkeit angeht echt ein bisschen im Vorteil).
Es ist wahnsinnig viel Verkehr in Münchens Innenstadt, so dass wir für die knapp 4 Kilometer fast eine halbe Stunde unterwegs sind. Zeit genug, sich näher kennen zu lernen und sich darüber auszutauschen, wie man das mit Sport und Job unter einen Hut bekommt. Auf jeden Fall ist Georg ein sehr sehr netter und sympathischer Zeitgenosse. Wahrscheinlich wäre uns auch bei 400 Kilometern in dem Tempo nicht langweilig geworden.

Als wir dann endlich ankommen, ist der erste Wettkampf schon im Gange: beim Anzapfen geht es darum, den Hahn mit möglichst wenigen Schlägen ins Bierfass zu bekommen. Die Dritte in unserem Team, die Para-Dressurreiterin Julia Porzelt, hat sich leider den Arm gebrochen und kann deshalb heute doch nicht dabei sein. Deshalb hat uns Hacker-Pschorr heute als "Joker" den Braumeister zur Verfügung gestellt, der souverän mit zwei Schlägen anzapft und uns damit erstmal in Führung legt. (Mit einem Schlag anzuzapfen, so erklärt er uns später, sei unprofessionell - zu groß wäre hierbei die Gefahr, dass der Hahn wieder rausfällt und man eine ausgiebige Bierdusche nimmt.)

Auch die nächste Disziplin ist was für echte Männer: Maßkrug stemmen am ausgestreckten Arm. Georg hält den Krug etwas über zwei Minuten (und das mit Links!) und damit schon deutlich länger als der Volleyballer. Gegen den Eishockey-Verteidiger, der nach vier Minuten immer noch dasteht ohne auch nur im geringsten die Miene zu verziehen, kann aber niemand was ausrichten.

Für meine Disziplin sollte ich nach all den Dankeschönkeksen für meine Unterstützer eigentlich perfekt vorbereitet sein. Die Aufgabe lautet: "Verziere das Herzerl in zwei Minuten mit einer Liebeserklärung an deinen Verein." Also los - Riesen-Spritztüte trifft Riesen-Lebkuchenherz (die Größe, die auf dem Wasn für schlappe 39 Euro verkauft wird). Die 2 Minuten reichen gerade für eine technisch saubere Ausführung des Monaco-Funding Logos.
Das Herz der Jury gewinnt jedoch der Eishockeytorwart mit seiner simplen, aber überzeugenden Botschaft: I love Hacker-Pschorr!

Damit tragen die Eishockeyprofis einen ungefährdeten Sieg nach Hause und wir können uns offiziell mit dem Titel Vize-Wiesnchampion schmücken. Und natürlich muss auch das gesamte Team nach der Brotzeit (schon allein dafür mal wieder g'scheite Brezeln zu bekommen hat sich die Reise nach München gelohnt!) nochmal ausprobieren, wie lange wir so einen Maßkrug halten können. Fazit: Georg war wohl schon die richtige Wahl.

Und so stehe ich abends am Münchner Flughafen und überlege mir, ob so ein 60-cm Lebkuchenherzerl wohl als Sperrgepäck eingecheckt werden muss. (Muss es nicht, aber in die Kiste vom Handgepäckscanner passt es auch nicht rein.) Glücklicherweise ist im Flieger der Sitz neben mir leer...

Samstag, 27. August 2016

WM-Finale in Zahlen

The world rowing championship final in numbers.

Falls ihr es verpasst habt: ihr könnt euch das Video hier anschauen (unser Rennen startet etwa bei 46:45min) - If you missed it, you can watch the race on youtube (it starts approx. at 46:45min).
All photos by Oliver Quickert.

1050 km gemeinsames Training /Training kilometres

22 Windgeschwindigkeit des Gegenwinds in km/h / Speed of the headwind in km/h

3 Meter Vorsprung vor GB and der 1000m-Marke / meters ahead of GB after half the race

1300 meter in Führung / Meters in lead

1.85 Sekunden Rückstand auf Großbritannien im Ziel / seconds behind GB on the finish line

52,9 Gewicht unseres Bootes in kg nach dem Rennen / Boat weight in kg after the race

4000 geschätzte Anzahl Kalorien, die ich nach dem Rennen verdrückt habe/ estimated number of calories I ate after the race


It was phantastic. Thanks to the GB and CHN teams for the togh racing. Great fight! 
Thanks to you for your interest and support!


Montag, 22. August 2016

World rowing championships - first days and exhibition race

Finally, we've made it to Rotterdam. Fist impression: it's so HUGE! There are boats as far as the eye can see, alphabetically ordered by nation.
1900 Athletes, as we learnt at the opening ceremony in the city center of Rotterdam, are going to compete on this first ever combination of senior, U23 and junior world championships. As a consequence, this is going to be the biggest world rowing event ever held with about 1900 participants (as a comparison: 1300 athletes on last years' senior world rowing championships, which was a record participation).

However, if you look around the venue, it becomes clear that if any venue is able to host such a mega-event, it's certainly the brand new Willem-Alexanderbaan in Rotterdam. Besides being in the middle of nowhere and thus featuring a lot of space around for boat storage, car park etc, it is also offering a lot of room on the water:  The venue features 10 lanes as well as a seperate 3-lane canal for warm-up and cool-down. So during training, once you've made it to the water, you can actually row quite well. If you can cope with all the wind.

Making it to the venue, however, has proven to be a little difficult during the first days. Somehow, we managed several times to book shuttles that did not exisit  in the official schedule. Consequently, we waited half an hour for the actually scheduled bus. But as known from Amsterdam, the shuttles are always punctual, fast and have friendly drivers :-)

So... exhibition race today...
As mentioned above, the wind is a big factor here. To say it in the words of the regatta course homepage:
The rowing course as a whole is open under the sky, surrounded only by small reed beds. The wind can admittedly take its course, but affects all lanes equally. It makes the Willem-Alexander Baan rowing course to a fair race track.
Copyright: Seyb/ meinruderbild.de
Well, the winds affectig us today had a strength of about 4-6bft, but fortunately it was more or less tailwind. This means we had to cope with an uncomfotable wave. (Although admittedly everbody else had to as well.) We started regularly, the Brits being half a length ahead of us, but China, USA and Canada dropping back right from the beginning. After half the course, we had not only crashed our fingers several times into the riggers (Empacher, please, may we have a real quad instead of that overloaded pair next time?), but also closed the gap to the british team. Unfortunately, we came to a sudden stop due to a crab shortly afterwards, did not find back into our rhythm completely and passed the finish line on 2nd position. Well, room for improvment I'd say, but all in all not too bad. Tomoroow, our boat will take a day of - we're planning to cycle to the beach and to start to prepare for our final on saturday starting from wednesday. Stay tuned!

Dienstag, 16. August 2016

Von Ratzeburg nach Rotterdam


English text below

Am Sonntag haben wir unsere Boote vom Elbe-Lübeck-Kanal an den Ratzeburger Küchensee verfrachtet, wo am Montag dann das Relationsrennen stattfand.
Nach vier Wochen intensiven Trainings, bei dem das Ziel bekannt, wenn auch nicht besonders präsent war, komme ich nun doch so langsam in WM-Stimmung. Nachdem die Schlussphase unserer unmittelbaren Wettkampfvorbereitung schon immer in Ratzeburg stattgefunden hat, legt das unvergleichlich einzigartige Ratzeburg-Gefühl in meinem Unterbewusstsein den Schalter von "Trainingslager" auf "WM" um.

Lena hingegen war noch nie zuvor in Ratzeburg. Deshalb sind wir mit ihr zwecks cool-down nach dem Relationsrennen auch erstmal die große Stadtumrundung vom Küchensee über den kleinen Küchensee in den Domsee und zur Akademie auf den Ratzeburger See gefahren.

Weil wir ziemlich früh gestartet waren, war bis zum Mittagessen noch ziemlich viel Zeit, so dass wir uns dazu entschlossen haben, noch einen Kaffee trinken zu gehen. Der Keks, den Lena dazu bekam, hatte dann auch gleich den passenden Spruch zu unserer Performance während des Rennens parat: "Man kann erst Steuern, wenn man Fahrt hat." Fairerweise muss man allerdings anerkennen, dass wir  trotz eines leichten Slalomkurses brav in unserer Bahn geblieben sind und auch keine Bojen erwischt haben. Und nachdem wir alle das Gefühl hatten, dass wir im Endspurt noch schneller hätten rudern können, war der erste Platz im Prozenteranking dann auch noch gerade so hinnehmbar ;-)

Nachdem wir sowohl in Hannover als auch in Mölln geradezu unter Laborbedingungen trainieren konnten, ist der klare Auftrag für die letzten paar Tage "die schlechten Bedingungen zu suchen" wie unser Trainer das so schön formuliert hat. Heute nachmittag haben wir auch ganz viele Wellen auf dem Ratzeburger See gefunden. Die wiederum fanden aber leider auch recht schnell den Weg in unser Boot, so dass wir uns zwischendurch fragten, ob wir eigentlich für die Meisterschaften im Coastal Rowing trainieren und die Hilfe des Leichtgewichts-Männerzweiers brauchten, um das Boot anschließend überhaupt aus dem Wasser zu bekommen. Immerhin blieb es trotz dreier undichter Luftkästen schwimm- und ruderfähig.
So viel zum Ratzeburg-Gefühl.

Mittlerweile sind auch die Meldelisten für die WM veröffentlicht worden. Leider treten im leichten Frauendoppelvierer außer uns nur Kanada, China, die USA und Großbritannien an, so dass wir anstelle eines Vorlaufes nur ein Bahnverteilungsrennen haben werden. Einen aktualisierten Zeitplan gibt es im Moment noch nicht, so dass wir nicht wissen, ob das Bahnverteilungsrennen am Montag oder am Dienstag stattfinden wird. An der Finalzeit - Samstag, 27. August, 13:10 - dürfte sich allerdings nichts ändern.
Ich halte euch auf dem Laufenden.

Die Fotos stammen von einer unserer letzten Trainingseinheiten auf dem Elbe-Lübeck-Kanal. Mit freundlicher Genehmigung von meinruderbild.de.



From Ratzeburg to Rotterdam

On Sunday, we brought over our boats from Mölln to Ratzeburg for the "relation race."
After four weeks of intensive training whose goal I knew though actually not realized entirely, it starts to feel real now. Ratzeburg has always been the final stage before the world championships. Probably I just need the authentic Ratzeburg feeling to get into the right mood.

Lena however has never been to Ratzeburg before, so the first thing we did was to show her around all the lakes after the relation race - from the Küchensee to the kleiner Küchensee over to the Domsee and finally to the Ratzeburger See where the rowing academy is based.

As we had started quite early there was still some time left to kill so we decided to go for a coffee before lunch. Along with the coffee, we got some fortune cookies, one of them featuring the right proverb to describe the race we had just finished: You can only steer once you've picked up speed. To be fair about it, at least we had stayed inside our lane and without hitting any buoy. And given the fact that all of us had the feeling that we could have rowed a little faster on the las quarter, the 1st place in the ranking was fairly okay ;-)

After the "laboratory conditions" encountered on the canals both in Hannover and Mölln, our goal for the last few days here is seeking waves. Well, we just found some on the Ratzeburger See. Our coach gave us the recommendation to row along the west bank. We soon had problems with shoes swimming over the rails... so far, I was not aware we're practising for the coastal rowing championships.
At least our boat was able to prove it does really fulfill the flotation guideline - it was still rowable although filled up to the top, but getting it out of the water was pretty tricky, even with the help of the lightweight men's pair.
So, that's it about the Ratzeburg feeling.

For Rotterdam, the entries were published some days ago - unfortunately, we have only five boats in our race (Canada, China, Great Britain, USA and us), so there won't be any heats. Instead, we will only have a so-called "exhibition race", i.e. a race which only serves to assign the lanes for the final.

So far, there is no updated schedule, so we don't know if the exhibition race will take place on monday or tuesday. The final however should remain as scheduled on Saturday, 27th Aug, 13:10. I'll keep you posted.

All fotos were taken at one of our last trainings in Mölln. By courtesy of meinruderbild.de.

Dienstag, 9. August 2016

UWV 2 oder: Ferien auf dem Bauernhof

Hier wohnen wir. Schön, oder?
This is where we live. Isn't it really nice?

English text below

Ruderer scheinen immer mit ihrem halben Hausstand zu verreisen. Und das passiert so:
Donnerstag abend, 22 Uhr. Ich bin hundemüde. Morgen geht's nochmal arbeiten bevor wir losfahren. Das Packen zu vertagen fällt also aus.
Also los... die hälfte meiner Sportklamotten hängt noch auf zwei Wäscheständern verteilt, der Rest ist mehr oder weniger unsortiert in der untersten Schublade der Kommode. Ich fange an, von jeder Wäscheständerstange das abzuräumen, von dem ich denke, dass ich es dabeihaben sollte.
Dann laufe ich ins Schlafzimmer und packe zusätzlich noch alle Socken und Unterhosen ein. Sind ja schließlich 3 Wochen unterwegs und Socken kann man sowieso nie genug dabei haben.
Ich packe alle Nationalmannschaftsklamotten ein und dazu noch meine beiden Lieblingseinteiler.
Ach, Mensch, was zieh' ich eigentlich an wenn ich nicht im Boot sitze? Der Inhalt der Tasche wird um 2 Jeans, 2 Pullis und 6 T-Shirts erweitert.
Dann fällt mir die Jogamatte in Auge. Die sollte natürlich am besten untern rein. Also wieder raus mit dem Zeug. Als nächstes sind die Schuhe dran. Hanteln werden wir wohl nicht mehr, also brauch ich schon mal keine Kraftraumschuhe mehr. Aber normale Schuhe, Flipflops und Laufschuhe sollten mindestens dabei sein.
Ein Blick auf meine Packliste erinnert mich daran, dass ich auch noch einen Kulturbeutel brauche. Wie praktisch, dass ich gerade einen zum Geburtstag bekommen habe. Und dann auch noch riesengroß. Ich mache mich auf den Weg ins Badezimmer und versuche, dabei die Augen offen zu behalten. Nachdem alles, was auf dem Badewannenrand stand, eingepackt ist, ist der Riesenwaschbeutel voll. Ob ich wirklich Handcreme brauche? Oder ist nicht doch die Zahnpasta wichtiger? Am Ende landet die Sonnencreme dann einzeln im Koffer.
Der nächste Punkt auf der Packliste: Waage. Obwohl ich weiß, dass mit einem Doppelvierer und zwei Einern mindestens 6 Waagen im Badezimmer stehen werden, wird sie selbstverständlich eingepackt. Grundsätzlich traut jedes Leichtgewicht nur seiner eigenen Waage. Gleiches scheint - auch bei den Schwergewichten - für Blackrolls zu gelten. (Und die sind ja zum Glück auch überhaupt nicht groß...) Der Koffer ist voll, gerade als ich überlege ob die Espressomaschine nun mitkommt oder nicht.
Am Abreisetag fällt mir dann zum Glück 2 Minuten vor Abfahrt noch ein, dass ich ja auch noch Buntstifte mitnehmen wollte. Ich bekomme sie gerade so noch in Handgepäckstück No.2 gequetscht.
Wir Mädels sind in einer Ferienwohnung auf einem Bauernhof untergebracht. Es gibt sieben Pferde und etwa sieben Milliarden Fliegen. Weil das Bauernhaus komplett ausgebucht ist, müssen wir nach 3 Tagen nochmal umziehen. Auspacken lohnt sich im Prinzip also nicht. Deshalb fahre ich auch die ersten drei Tage ohne Sonnenbrille, die sich dann beim Neusortieren des Koffers doch noch irgendwann findet.
Anreisetag: Leo und Lena stehen noch im Stau, deshalb fahren Katrin und ich Zweier.
Arrival day: Leo and lean are still underway, so Katrin and me test the water in the double.


Unsere Trainingszeiten orientieren sich streng an den olympischen Wettkämpfen, was mitunter dazu führt, dass die zweite Einheit erst nach dem Abendessen gefahren wird. Auch wenn wir nicht dabei sein können, ist diese Olympiade doch etwas sehr besonderes für uns: wir kennen so gut wie alle Ruderer im deutschen Team. Das ist schon nochmal was anderes als vor vier Jahren.

Ansonsten gibt's erstmal wenig zu berichten. Im Großen und Ganzen ist es halt mal wieder rudern, essen, schlafen. Wetter könnte besser sein, aber immerhin ist der Elbe-Lübeck-Kanal noch befahrbar, während die U23-Mannschaft aufgrund von Wasserverhältnissen wie bei den Olympia-Vorläufen in Ratzeburg doch öfters auf dem Ergometer sitzt.


WRCH-Preparation, Part 2, or: Holidays on the farm


Rowers tend to take along half their house to each training camp. Let me tell you why:

Thursday, 10pm. We're leaving tomorrow and I have to work in the morning. I cannot postpone packing any further.
So here we go.... half of my rowing clothes is still hanging on the line. The other half is forming a great mess in the lowest shelf of the cupboard.
I just start by picking everything that might be useful from the line, and to complement it with all socks, pants and national team clothes I can find in the bedroom.
I become aware that I won't sit in the boat all day long and add some jeans and T-Shirts.

I realize that I should have packed the Yoga mat into the bottom of my bag, along with the absolute minimum of 3 pairs of shoes (flip-flops, normal shoes, running shoes).

My parents have given me a very big toilet bag for my birthday. I notice that not everything in my bathroom fits into it. Shall I rather leave the hand cream or the toothpaste at home? Neither of them seems to be a good solution. Consequently, the sun cream enters my bag unwrapped.

The next point on my packing list: Scale. You can be sure that 6 lightweight women will bring 6 scales. You cannot trust anyone elses scale, believe me. (Same seems to be the case for blackrolls. What a luck they're not big...)

I realize that my bag is already more than full when I'm considering to take along the Espresso machine and decide to go to bed.

The farm house where we'll be living for the next two weeks is completely booked. This means Anja, Leo and me have to change to a new room after 3 days. So it's somewhat not worth unpacking... Now you know why you've seen me 3 days rowing without sunglasses.

Besides, it's a usual training camp: rowing, eating, sleeping. The weather could be better, but at least the Elbe-Lübeck-Canal is still rowable while the U23 team experiences water conditions like Rio for the heats... oh yes, the Olympic games! It's quite a new situation for us that we know almost everybody from the German team personally. Our training schedule is thus adjusted to the life coverage times althoug this might mean the 2nd training takes place after dinner.

Wenn wir nicht rudern, dann gucken wir rudern.
As long as we don't sit in the boat, we watch rowing.

Samstag, 23. Juli 2016

Judith trainiert... in Hannover

English text below.

Wir haben losgelegt mit der unmittelbaren WM-Vorbereitung - in Hannover. Klingt jetzt nicht besonders spannend, dachte ich am Anfang. Ist aber überraschend schön und mit Sicherheit auch ein sehr besonderes WM-Trainingslager. Wir wohnen direkt am Anlegesteg, von dem aus wir unsere täglichen Rudertouren auf den Stichkanal zwischen Leine und Mittellandkanal starten. Der ist zwar etwas eng, dafür gibt's aber kaum Schiffe und es geht fast immer geradeaus.

Wir, das sind neben Leo, Lena, Katrin und mir auch noch der Leichtgewichts-Männderdoppelvierer mitsamt Ersatzmann und der Zweier mit Steuermann. Komplettiert wird der schräge Haufen von zwei noch schrägeren Trainern, der österreichischen Leichtgewichts-Einerfahrerin Leonie Pless und dem Kolumbianischen U19-Männereiner Chris (beide haben auch einen deutschen Pass und leben hier.)

Einkaufsliste für 15 Athleten//
Shoppling List for 15 Athletes
Unsere Trainer wuppen also dem täglichen Training auch noch eine ganze Menge Logistik. Mittags kommt der Caterer, aber morgens und abends müssen wir uns selbst verpflegen. Natürlich sind bei 15 Athleten eine Vegetarierin, ein Laktose-intoleranter, jede Menge fake-Nutella-Hasser und andere besondere Esser dabei. Deshalb gibt's erstmal eine lange Einkaufsliste.

Zum Grundnahrungsmittel sind allerdings in den letzten Tagen definitiv die Wassereis-Lollies geworden, denn die Sonne ist auch sehr fleißig am scheinen.

Der Versuch eines Selfies mit 5 Leuten/
Trying to make a selfie with 5 people.
Deshalb zieht es uns dann auch an jedem freien Nachmittag an den Maschsee, wo wir versuchen, den Farbton unserer Bäuche dem unserer Schultern anzupassen und Selfies mit 5 Leuten zu machen. Klappt beides so Medium. Zum Glück gibt es ja auch noch den Selbstauslöser.

Mit Selbstauslöser klappt's schon besser. / Better photos thanks to the good old self-timer function.
Klingt wie ein ziemlich schräges Ferienlager, und irgendwie ist es das auch. Aber es ist auch verdammt cool. Und außerdem steht ja auch noch jede Menge Training auf dem Programm.

Neben dem Kanal steht uns am Olympiastützpunkt auch noch ein großer Hantelraum zur Verfügung. Ehrernsache, dass man da nicht mit dem Auto hinfährt... allerdings ist dann die Kobination 45min joggen - 45 hanteln - zurückjoggen bei 30° doch ziemlich ordentlich und bringt einige Blasen an den Füßen.

Nachdem alle meine Kopfstand-Fähigkeiten bewundert haben, habe ich versucht, dem Rest des Teams ein wenig Yoga beizubringen. Dem einen oder anderen verkommt die Krähe dann auch doch eher zum sterbenden Schwan.

Im Vierer quält uns ein ganz typisches Problem. Das Boot hängt auf eine Seite. Allerdings können wir uns nicht darauf einigen, auf welche... und je mehr wir versuchen, dass Problem in den Griff zu bekommen, desto mehr verkrampft jede und desto schlimmer wird's. Sehr ätzend. Zum Glück können wir gelegentlich auch mal auf den Zweier ausweichen und zumindest bei höheren Frequenzen egalisiert sich das auch wieder.

World Championship training camp, part 1

We've started our preparation training for the world rowing championships - in Hannover. Doesn't sound that exciting, does it? I have to admit I totally underestimated this city. It's surprisingly beautiful, and they have a canal offering ideal conditions for training.

Beside the four of us, the lightweight men's quad, including spare, the coxed pair, the austrian lightweight single sculler and the columbian junior men's single sculler (both have two nationalities) are staying here.

We are preparing breakfast an dinner on our own - this means a lot of logistic for our two coaches. With 15 athletes, you'll have one vegetarian, one with lactose intolerance, several who do not eat fake-Nutella (only the brandend stuff) and so on... this gives a long, long shopping list.

Our absolute basic food have however become ice pops, as temeratures are rising.

No doubt you'll find us at the Maschsee on our free afternoons, trying to bring our bellies into the same shade of brown as our shoulders are and to make selfies with five people. (Both doesn't work, At least we re-discovered the self-timing function of the camera.)

Sounds like a pretty crazy summer camp, but in a way it's quite cool. And of course, we still train a lot.

We have a big gym at our disposal, but unfortunately it's some kilometers away. Initially, it sounded like a smart idea to get there and back running (at 30° and with new shoes), but in retrospective I have to admit that's been the hardest morning I've had here so far.

After averybody had admired my headstands, I volunteered to teach the guys some Yoga - and this is how the "crow" became the "dying swan" :-P

Though being fast and finding a good rhythm at high frequencies, we still have the most typical problem in the quad at training speed. Everyone agrees the boat is hanging to one side. What we cannot agree is to which side...  But I'm pretty confident we'll solve that issue until Rotterdam.

Sonntag, 26. Juni 2016

Schlammschlacht in Hamburg.

Erstaunlicherweise regnet es zu Wochenbeginn noch nicht. Nachdem ich nach einer gepflegten eineinhalb-Tage-Woche auf der Arbeit (Montag und Dienstagmorgen gingen für die letzten Fahrstunden und die Führerscheinprüfung drauf) am Mittwoch Nachmittag auf die Fähre steige, lacht noch die Sonne. Ein kräftiger Rückenwind schiebt mich auf meinem Fahrrad in Rekordzeit von den Landungsbrücken raus nach Allermöhe, wo Lena (die mysteriöse No.4 aus meinem letzten Post), Leo und Katrin schon auf mich warten. Wir machen uns sofort ans Aufriggern und drehen die ersten paar Kilometer über die Strecke. Es ist noch ein wenig ausbaufähig, aber das wird schon noch. Einen Tag haben wir ja noch, um uns wieder einzugrooven.
Den Donnerstag nutzen wir dann auch intensiv dazu, so dass sich Stromi sogar zu der Aussage hinreißen lässt, dass er die vordere Umkehr noch nie so gut bei uns gesehen hat.

Die Nacht auf Freitag schlafen wir trotzdem nicht besonders gut - ein heftiges Gewitter fegt über die Stadt, es blitzt ununterbrochen und der Wind pfeift um die Häuser. Als wir in Allermöhe ankommen, sehen wir überall demolierte Zelte. So richtig weg ist das Gewitter immer noch nicht, so dass wir uns dann anstatt Rudern zu gehen doch erstmal nur aufs Spinningrad setzen. Der Rhythmus der Gewitter wird dieses Wochenende den Zeitlplan der Jahrgangsmeisterschaften noch gehörig durcheineanderwirbeln.


Ralf hat uns nun offiziell nachgemeldet, so dass wir auch als Boot außer Konkurrenz in den Setzlisten auftauchen.
Es war eine Entscheidung der Chefetage des Ruderverbandes, dass wir hier antreten und schneller als der beste U23-Doppelvierer sein müssen um für die WM nominiert zu werden. Wir selbst finden es zwar nicht falsch, nochmal zwei Rennen zur Vorbereitung nutzen zu können. Ausgesucht haben wir uns das aber sicherlich nicht und eigentlich sind wir der Meinung, das wir diese Saison bis auf das unglückliche Ergebnis in Ratzeburg eigentlich auch alle vier gute Leistungen vorweisen können, die man mit etwas good will auch dazu heranziehen könnte, uns ohne extra Rennen zu nominieren.
Auf den Jahrgangsmeisterschaften werden wir auch nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Die Schiedsrichter sind der Meinung, dass man uns mit Zeitrückstand starten lassen müsste. Der Unterschied zwischen den Weltbestzeiten im A- und U23-Doppelvierer beträgt knapp 14 Sekunden. Würden wir mit diesem Rückstand starten müssen, wären die anderen Boote, wenn wir starten, schon knappe 100m weit gefahren und wir würden somit Gefahr laufen, in der Welle des Schiedsrichterbootes loszufahren. Man einigt sich daher, uns im Bahnverteilungsrennen mit an den Start zu schicken und uns im Finale mit dem Rückstand starten zu lassen, den wir im Bahnverteilungsrennen als Vorsprung hatten. Die Taktik ist also klar: als erste ins Ziel kommen, aber nicht mit zu viel Vorsprung.
Auch auf Seiten der gegnerischen Mannschaften regt sich Widerstand gegen unsere Teilnahme. Letzten Endes sind das hier nun mal deutsche Meisterschaften und für viele der Mädels in den gegnerischen Booten somit der Saisonhöhepunkt. Insbesondere einer der Trainer sieht es als Entwertung der Meisterschaft an, ein Boot außer Konkurrenz mitfahren zu lassen und kündigt an, Einspruch zu erheben.

Um die Pause zwischen dem morgendlichen Training und dem Bahnverteilungsrennen zu nutzen und etwas zu haben, worauf wir uns nach dem Finale - wie auch immer es ausgehen mag, unterschätzen sollten wir den U23-Vierer auch nicht - freuen können, backen Leo, Lena und ich erstmal Camembertmuffins und Erdnussbrownies. Kaum sind die aus dem Ofen, geht's wieder raus an die Strecke.


 Wir rudern noch eine kleine Runde, um das frisch reparierte Steuer zu testen und ein bisschen abzuschwitzen. Inzwischen knallt die Sonne so dermaßen runter, dass wir in 20 Minuten jede über ein halbes Kilo verlieren und mit reichlich Luft nach oben über die Waage kommen.

Das Bahnverteilungsrennnen läuft ziemlich planmäßig: Nachdem wir uns eine ganze Weile mit dem schnellesten U23-Vierer gematcht haben, können wir gegen Ende des Rennens Druck rausnehmen und kommen mit etwas über zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel. Unsere Trainer hätten gerne weniger gehabt, aber mir hat einfach der Mut gefehlt, das Signal zum Lockerlassen zu geben, so lange das U23-Boot noch an unserem Heck klebte.

Über Nacht  und im Laufe des Samstages regnet es munter weiter, so dass sich die Wiesen um die Regattastrecke in eine einzige Schlammsuhle verwandeln. Wer keine Gummistiefel hat, leidet.

Keine zehn Minuten vor unsrer Waagezeit kommt dann auch die nächste Gewitterzelle um die Ecke, so dass die Rennen - und damit auch die Waage - nochmals um 20 Minuten verschoben werden müssen. Wir sind die einzige Mannschaft, die noch verwogen werden muss.

Auch organisatorisch hat es noch heftig gerumpelt: zunächst einmal haben sich die Schiedsrichter darüber beschwert, dass wir das Bahnverteilungsrennen nicht voll zu Ende gefahren sind (ganz ehrlich: selbst wenn es nicht um Zeitstrafen, sondern nur um die vermeintlich beste Bahn geht: wer macht das denn?) und wollten unseren Rückstand nun doch nochmal anders festlegen. Dann ist aber dem Einspruch des anderen Trainers stattgegeben worden und wir dürfen nicht im selben Rennen wie die anderen Vierer starten, sondern werden stattdessen einige Minuten später gegen die Uhr fahren.

Wir haben das Gefühl, dass von allen Seiten Prinzipienpolitik zu unseren Lasten betrieben wird, beschließen aber, uns davon nicht unsere gute Laune und unseren Kampfgeist nehmen zu lassen.
Immerhin dürfen Ralf und Cheftrainer Marcus nebenherfahren und sich angucken, was wir da machen. Wir starten auf der Mittelbahn, sie fahren mit ihrem Katamaran ganz außen an der Regattastrecke entlang, außer Hörweite. Näher werden wir dem Cheftrainer dieses Wochenende nicht kommen.

Der Seitenwind am Start ist so stark, dass Leonie mir helfen muss, das Boot auszurichten, weil ich es selbst nicht rumgezogen bekomme.
Achtung! Los!
Wir starten hochkonzentriert und mit der nötigen Ruhe im Endzug. Der Rest des Rennens gegen die Uhr wird ein Höllenritt. Wir fahren gut zusammen und bekommen insbesondere auf der ersten Streckenhälfte auch die vordere Umkehr ganz gut hin. Aber es ist so anstrengend, dass ich nach 500 Metern kaum noch weiß, woher ich die Luft für die Ansagen hernehmen soll. Hätten wir Gegner gehabt, wäre vielleicht der Mut dagewesen, zwei Prozent weniger zu investieren um sich die Luft zu verschaffen, etwas besser am Bootsdurchlauf zu arbeiten. Beim Zeitfahren trauen wir uns das nicht. Zu groß ist die Angst, durch das etwas weniger Aufwand die entscheidenden Sekunden zu verlieren.

An Land verkündet uns Ralf die erlösende Nachricht: Wir waren schneller als der U23-Vierer und sind nominiert. Bei mir macht sich Erleichterung breit. Zunächst bin ich einfach nur froh, dass es endlich vorbei ist. Ich bin so ausgepowert, dass ich noch meterweit neben mir stehe und bin wohl im Kopf auch einfach gerade nicht so weit, mich einfach darüber zu freuen, dass ich zur WM fahren darf. Dazu war es einfach alles zu zermürbend. Freuen kann ich mich aber über ganz andere Dinge: unserer Brownies sind echt lecker geworden und nach der Schlammschlacht gibt es auch nichts schöneres, als in die warme, duftende Badewanne zu steigen.

Endlich nominiert: Der LW4x für die WM von Bug (links) nach Heck: Ich, Leonie Pieper, Lena Reuß, Katrin Thoma (Foto: Ralf Hollmann)